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Und ewig locken weiße Socken

Also, ich bin froh, dass dieser Sommer bald vorüber ist. Ich hab’s nämlich nicht so mit den Extremen: extrem hohe Temperaturen (ab 27 Grad Celsius ist für mich extrem), extrem lästige Mückenangriffe, extrem angriffslustige Wespen und – da wären wir dann beim Thema – extrem schlecht gekleidete Männer. Die werden von Jahr zu Jahr immer mutiger mit ihren Outfits. Immer unansehnlicher für mich. Die Frauen (ja, ja, leider gibt es auch unter ihnen in dieser Hinsicht durchaus erwähnenswerte Exemplare) werde ich heute außer Acht lassen, sonst würde mein Text den mir auferlegten Zeilenrahmen sprengen.

Man schließe die Augen und stelle sich folgendes Bild vor:
Es ist heiß. Die Sonne brennt. Wegen des gleißenden Lichts hältst du deinen Blick gesenkt. Und dann kommt etwas auf dich zu (die passende akkustische Untermalung wäre hier die Filmmusik aus Der weiße Hai. Psycho würde auch passen). Braune Trecking-Sandalen. In ihnen stecken weißbestrumpfte Füße. Der Übergang von Socke zu Bein ist farblich kaum zu erkennen. Indiz: Lange schwarze Haare, die bekanntlich nicht aus Socken wachsen. Dann, knapp über den o-förmigen Waden, braun-grün-rot-karierte Cargo-Bermudas. Extra weit. Jedoch nicht der Beine wegen. Das wird einem klar, wenn man den Mut besitzt, den Blick weiter nach oben wandern zu lassen. Ein Kürbis 3XL im Feinripp-Unterhemd wölbt sich über den Hosenbund, gehalten von einem Koppelgürtel in Tarnfarben. Ein blau-beige-ebenfalls-kariertes Hemd flattert munter um die Kugel. Noch ein Stück weiter oben quellen schwarze Brusthaare borstig gelockt aus dem Unterhemd. Ein feingliedriges Goldkettchen ziert den kräftigen Hals, der fast konturlos in einem unrasierten Gesicht endet. Auf dem Kopf ein weißes Base-Cap mit der Aufschrift C&A.

Ein Bild von einem Mann, nur eben kein schmeichelhaftes. Geschmacklosigkeit kennt halt keine Grenzen. Und doch: Dieser Kleidungsstil hat sicherlich auch Vorteile. Man(n) kann zum Beispiel Bier trinkend oder rülpsend über die Straße gehen. Niemanden wird’s wundern. Kaum einer wird Anstoß daran nehmen. Passt halt. Gleichgesinnte erkennen sich sofort, die Interessenlage (Camping auf Malle, Fußball, Bier) muss gar nicht erst abgeklärt werden. Wahrscheinlich gibt es noch einige Vorteile mehr. Kenne ich aber nicht. Will ich auch gar nicht kennen.

Ich will nur eins: Dass dieser Sommer bald vorüber ist.

 

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Sonntagsgedanken

Tristan April 2014 I

Kater Tristan liegt auf meinem Schoß während ich versuche, einen Text zu verfassen. Das Gedankenkarussell dreht sich und ich denke an dieses, an jenes aber eigentlich an gar nichts. Viel mehr lausche ich dem wohligen und immer lauter werdenden Schnurren meines vierbeinigen Mitbewohners. Beim Einatmen ist die Tonlage etwas höher als beim Ausatmen, aber sein Körper vibriert bei jedem Atemzug und das gleichmäßige Schnurren lässt auch mich tiefer und gleichmäßiger atmen. Aber zurück zum Text. Zurück zu meinen Gedanken. Warum nur häufen sich am Jahresende all die Dinge, die noch zu erledigen sind? Ich versuche, Ordnung in die nächsten Wochen zu bekommen. Ich denke nach, verschiebe im Geiste bereits bestehende Termine, organisiere meine knapp bemessene Freizeit … obwohl – kann ich überhaupt von Freizeit sprechen, wenn ich doch so viel zu erledigen habe? Fristen einhalten muss? Darum kämpfen muss, dass auch meine Verhandlungspartner nicht allzu lange für die Erledigung brauchen? So ganz nebenbei erwartet mich derzeit jede Menge Arbeit im Büro, die ein oder andere Überstunde wird fällig.  Ich kraule Kater Tristan hinter den Ohren und dann am Hals. Er streckt sich und liegt mittlerweile wie ein Baby in meinem Arm, so dass ich nur noch mit einer Hand tippen kann. Seine Pfote streichelt meine Wange. Und wenn ich mit dem Kraulen kurz innehalte, stuppst er mit der Nase meine Hand an. Nicht aufhören, weiter, nur weitermachen. Ich lächle und die Sorgen um all die unerledigten Dinge sind nicht wichtig. Irgendwie schaffe ich das schon. Irgendwie. Doch heute ist Sonntag und Kater Tristan genießt es, dass ich zu Hause bin. Er dankt es mir mit seiner Anhänglichkeit, die so beruhigend auf mich wirkt.
Er ist wirklich eine Therapiekatze – nicht nur für meinen Mann, auch für mich.

Wusstet Ihr schon … ?

Der Gabelstapler stapelt Gabeln,
der Zitronenfalter faltet Zitronen,
der Büstenhalter hält Büsten,
der Regenbogen regnet Bögen,
die Eifersucht sucht Eifer,
der Kopfhörer hört Köpfe,
der Kleiderschrank kleidet die Schranke,
die Meldestelle meldet Stellen,
der Zweifelsfall fällt Zweifel,
der Maskenball maskiert Bälle,
der Spießgeselle spießt Gesellen,
der Rettungsdienst rettet Dienste,
die Liegestütze stützt die Liege

tja, und der Abteilungsleiter leitet Abteilungen …

Katzenbabys und Sommerpause

Nun, in der letzten Zeit ist es hier schon etwas ruhiger geworden.
Nein, ich bin kein WM-Fan, daran liegt es also nicht. Doch manchmal ist das reale Leben so bunt und vielseitig, mit Haken und Ösen versehen, mit abenteuerlichen Ereignissen garniert, dass man sich entscheiden muss.

In ein paar Tagen wird meine linke Hand therapiert. Das bedeutet, dass ich zunächst einmal nicht schreiben, einkaufen, waschen, bügeln etc. kann. Daher ist es besser, wenn ich vorher alles Notwendige erledige. Wenn die Zeit der Schonung vorüber ist, gilt es aufzuarbeiten, meine Schreibprojekte weiter voranzutreiben und natürlich auch die Vorzüge des Sommers genießen.

Aus diesem Grund werde ich eine kleine Pause einlegen. Denn nur dann kann ich mit frischen Texten und voller Elan zurückkehren. Und dann freue ich mich darauf, euch alle wieder zu lesen.

Die versprochenen Katzenfotos habe ich natürlich nicht vergessen. Sie sind nicht so besonders toll geworden, aber wer mich kennt, der weiß, dass das Fotografieren nicht zu meinen Stärken gehört.

Also, hier sind sie … einfach drauf klicken, um sie groß zu sehen:

Habt alle eine schöne Zeit und seid so ausgelassen, wie die kleinen Kätzchen …

Wahre Kumpels VIII

Mein Schatz und Kater Tristan spielen Katzensolitär. Versteckte Leckerlis müssen unter den blauen Hütchen gefunden und freigelegt werden.

Er: „Nu guck, hier leg‘ ich das hin … Nu guck auch …“

Kater Tristan beäugt interessiert das Bemühen des Menschenmanns.

Er: „Jetzt musste die blaue Kugel wegstoßen. Guck … so macht man das …“

Kater Tristans Blick ist irgendwie … verständnislos.

Er: „Mach‘ dir nichts draus. Irgendwann verstehste das. Wir beide sind eben etwas langsamer …“

Nostalgisches

Ich sage nicht, dass früher alles besser war. Also ehrlich, wer braucht heute noch Schulterpolster, Tonbandkassetten mit vorprogrammiertem Bandsalat, Telefone mit Drehwählscheibe, hinter dem man ein Endloskabel durch die Wohnung zog, während man telefonierte. Wie schrecklich war es an der Autotür das Knöpfchen zu drücken, die selbige dann zuzuwerfen, um danach mit Schrecken festzustellen, dass der Schlüssel noch im Zündschloss steckte? Wer mag heute schon noch orange-braun gemusterte Tapeten? Auf die Hitparade kann ich ebenso verzichten, wie auf Polyester-Pullover. Obwohl … Gibt es die nicht heute auch noch? Die Polyester-Pullover meine ich. Egal!

Manches war aber auch ganz nett. Fernsehansagerinnen zum Beispiel. Oder die Geschichten von Ute, Schnute, Kasimir in den Werbepausen. Der Tankwart, der herbeigeeilt kam, um das Auto zu betanken – weil es zum Service gehörte – und gleich die Windschutzscheibe reinigte. Ganz Eifrige prüften dann auch noch den Reifendruck. Tja, selbst Telefonhäuschen mochte ich. Und, dass man sich für diverse Anlässe fein machte. So richtig fein. Na ja, manchmal war es auch ziemlich unbequem. Aber fein! Was habe ich mich gefreut, als die gute alte A*hoi-Brause wieder reanimiert wurde. Eine ganze Maschinerie Erinnerungen ist da in Gang gesetzt worden. Toll!

Und nun weiß ich auch, was ich mir über kurz oder lang wieder anschaffen werde: Einen richtig tollen nostalgischen Wasserkessel. So einen mit Flötenaufsatz. Also, so einen Flötenkessel. Denn wenn der Pfiff des Kessels sagt, dass das Wasser kocht, das hat doch wirklich etwas ganz Nostalgisches, oder?!

Kleingeister

Sie mögen Regeln und Vorschriften. Gibt es keine, fühlen sie sich unsicher und Papa Staat soll es richten. Oberflächlich betrachtet hat das auch Vorteile. Das eigene Versagen kann auf jemand anderes abgewälzt werden.

Wenn es dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung gegeben hätte, wäre ich langsamer gefahren …
Wenn das Benzin noch teurer wird, dann fahre ich vielleicht doch mit dem Fahrrad zum Bäcker …
Wenn Plastiktüten teurer werden, nehme ich doch mal meinen Stoffbeutel mit …

Also bitte! Her mit den Regeln. Her mit den Vorschriften. Denn auf diese Weise wird in der Welt der Kleingeister jeder Einzelne aus der Verantwortung entlassen und die Allgemeinheit übernimmt die Zuständigkeit.
Herr und Frau Kleingeist aber sind fein raus aus der Nummer. Sie können weiterhin durch ihr Leben tänzeln und nach Herzenslust den Schuh der Verantwortung als unpassend erklären.