Schlagwort-Archive: Redewendung

Die Liebe

Alter schützt vor Liebe nicht,
aber die Liebe vor dem Altern.

Coco Chanel

Advertisements

Steine

Die ersten Sonnenstrahlen lockten selbst einen Stubenhocker wie mich vor die Tür. Ich war bereit für einen Spaziergang. Denn beim Spazierengehen kommen mir häufig brauchbare Ideen in den Sinn. Während ich also so denkend durch die Gegend schlenderte, stolperte ich. Die Ursache meines Stolperns, also meines Ärgernisses war ein Stein. Sozusagen der Stein des Anstoßes.
Ich hob ihn auf, betrachtete ihn und kam zu dem Schluss, dass es ein besonders schöner Stein war. Glatt und rund. Ich steckte ihn ein und bald schon merkte ich, dass ich über einen Philosophenstein gestolpert war. Ich war überzeugt, dass er mir die Lösung all meiner Schwierigkeiten, mit denen ich zu diesem Zeitpunkt hinsichtlich meiner Schreibprojekte zu kämpfen hatte, bringen würde. Das war die Lösung aller Probleme, Schwierigkeiten und Rätsel. Denn nun war ich stolze Besitzerin eines Stein der Weisen.
Meine Selbstzweifel wurden mit einem Mal völlig zerstört, da blieb kein Stein auf dem anderen. Ich eilte nach Hause, setzte mich an meinen Schreibtisch und begann zu schreiben. Ich schwöre Stein und Bein, dass eine Geschichte nur so aus meiner Feder floss. Auch wenn ich jetzt nicht als Eidleistende beim Sprechen des Eides eine steinerne Altarplatte und / oder eine die Gebeine eines Heiligen enthaltende Reliquie berühre.
Aber ja, wenn Menschen schweigen, werden die Steine schreien, also die Wahrheit wird auf jeden Fall ans Tageslicht kommen.
Apropos Wahrheit … Selbst wenn ich es hier mit der selbigen nicht so genau nehmen würde (was ich natürlich vehement bestreite), sollten meine werten Leser sehr wohl überlegen, wer den ersten Stein auf mich werfen, also wer als erster Anklage gegen mich erheben dürfte. Na ja, das aber nur am Rande und sehr theoretisch. Denn in der virtuellen Welt haben wir doch alle einen Stein im Brett, nicht wahr? Und wer einen solchen Stein im Brett hat, der kann mit Beliebtheit und Sympathie rechnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen wunderschönen Tag!

Wände

Neulich – ich hatte es mir in meinem Lieblingssessel bequem gemacht – starrte ich einfach nur die Wand an. Manchmal hat das etwas sehr Entspannendes für mich. Einfach nur sitzen und starren. Den Gedanken Auslauf gewähren. So saß ich also da und dachte darüber nach, dass Wände – positiv betrachtet – Schutz bieten. Vor Kälte, vor Eindringlingen, ja sie wahren meine Privatsphäre. Obwohl … dafür müssen sie schon recht dick oder gut isoliert sein. Denn wenn Wände Ohren haben, ist es vorbei mit der Privatsphäre. Na ja, ich weiß schon, dass Wände keine Ohren haben. Gemeint sind hier vielmehr die Menschen hinter den Wänden, die lauschen könnten.
Ich kann aber auch gegen die Wand reden. Dann dringe ich nicht durch, dann will mein Gegenüber nichts (mehr) hören. Genau wie eine Wand, wird dieser Jemand nicht antworten. Daran könnte ich dann verzweifeln, also die Wände hochgehen. Aber so weit will ich es dann doch nicht kommen lassen. Wollen wir mal nicht den Teufel an die Wand malen. Denn wenn man das macht, dann kommt er auch. Und wir wollen ja kein Unheil herbeirufen, nur weil ich über Wände sinniere …

Schattenspiele

Die dunkle Jahreszeit beginnt. Ich mag das. Die Zeit der Kerzen und Teelichter, die in mir so viel Behaglichkeit auslösen. Besonders reizvoll sind die tanzenden Schatten der kleinen Flammen, die, wenn man sie nur lange genug beobachtet, einen eigenen Rhythmus zu haben scheinen.

Ich beobachte Kater Tristan, wie er mit seinem eigenen Schatten spielt und versucht, ihn zu fangen. Er schafft es einfach nicht, über seinen eigenen Schatten zu springen. Tja, wer kann das schon? Etwas zu tun, was jemandes Wesen und Natur völlig widerspricht, ist einfach unmöglich. Oder?

Der menschliche Schatten ist nach altem Volksglauben das Symbol der Seele und der Mensch kann seine Natur, seinen Charakter, seine Überzeugung nicht verleugnen. Er kann also nicht über seinen eigenen Schatten springen.

Mittlerweile hat Kater Tristan aufgegeben. Es war ihm wohl zu mühsam. Nun bin ich an der Reihe. Er versteckt sich hinter dem Kamin. Doch das Licht strahlt ihn von hinten an, so dass er seinen Schatten vorauswirft. Er kündigt sich an. Gleich wird er um die Ecke schießen und kurz vor mir mit allen vieren in die Höhe springen. Ein großes Ereignis. Sein großes Ereignis. Nun ja, große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.

Aber in der Tat: Seine Sprünge sind wahrhaft grandios. Wir Menschen kommen an solch eine Sprungkraft nicht einmal annähernd heran. Damit kann das Tier mich weit übertreffen, mich in den Schatten stellen. Und wenn es eben um diese Sprünge geht, dann hat er die volle Aufmerksamkeit und ich stehe in seinem Schatten. In diesem Fall natürlich gerne. Sonst eher nicht.

So beobachte ich weiter die tanzenden kleinen Flammen und denke darüber nach, dass das Wörtchen Schatten in der Bedeutung „nur gedacht, schwach, kränklich, kümmerlich“ sich häufig in unserer Sprache wiederfindet. Sieht man aufgrund von Krankheit sehr schlecht aus, ist man nur noch ein Schatten seiner selbst.

Man führt vielleicht ein Schattendasein, lebt in einem Schattenreich oder der auf der Schattenseite. Und doch … Schatten gibt es nur im Paket mit Licht. Ohne Licht kein Schatten. Und umgekehrt: Ohne Schatten, kein Licht. Ohne Unglück, kein Glück. Ohne schlechte Zeiten, keine guten Zeiten.

Ich mache es einfach wie Kater Tristan. Ich spiele mit meinem Schatten und wenn ich genug von ihm habe, lasse ich ihn einfach links liegen … oder rechts … oder hinter mir …

Zeug

Ich kenne Menschen, die es sich mit der Sprache leicht machen. Egal, ob sie von Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken, Schreibutensilien oder Katzenstreu sprechen, alles wird zu Zeug, Zeugs oder Zeusch, wie die Rheinländer bevorzugt sagen.
Manchmal sitzt dann der Schalk in meinem Nacken und ich frage ganz unschuldig nach, was denn gemeint sei. Aber auf Dauer ist mir das dann doch zu anstrengend.

Aber was genau ist Zeug?
Es ist eine alte Bezeichnung für Kleidung / Kleiderstoff. Die Bezeichnung ist in der Redewendung sich ins Zeug werfen (gute Kleidung anlegen) erhalten geblieben. Wenn wir uns aber ins Zeug legen, dann strengen wir uns an. Sehr sogar. Hierbei bezieht sich das Zeug wohl auf das Geschirr von Zugtieren in früheren Zeiten, die sich beim Transport schwerer Lasten so sehr ins Zeug hineinstemmten, dass es den Anschein hatte, sie legten sich zu Boden. Dieser Hintergrund ist wohl auch bei der Wendung was das Zeug hält zugrunde zu legen.
Wenn jemand das Zeug zu etwas besitzt, dann ist er einer Sache gewachsen, er hat die Befähigung, das Talent dazu. Demjenigen kann man dann nicht so leicht am Zeug flicken, also in Misskredit bringen. Und diejenigen, die so etwas ständig versuchen, mit denen sollte man dann einmal scharf ins Zeug gehen, also ihn streng behandeln und scharf vorgehen.

Ein doch recht vielseitiges Wort. Kein Wunder, dass es oft als Platzhalter herhalten muss.