Offener Brief der Jutta Jammer

Liebe Mitmenschen,

ich weiß gar nicht, was Sie alle gegen mich haben. Ich bin doch eigentlich diejenige, die wirklich alles in die Hand nimmt, sich auf alles bis ins kleinste Detail vorbereitet, damit der Laden läuft. Wenn ich dann aber nicht mehr will, dann heißt es sofort, ich sei zickig. Das ist wirklich gemein. Ich bin NICHT zickig. Es wird nur nicht das gemacht, was ich will! Ph, Sie werden schon sehen, was Sie davon haben. Jetzt müssen Sie ohne mich auskommen. Ich jedenfalls bin jetzt mal krank, verschollen, geplatzt, nicht mehr ansprechbar. So! Basta! Wenn Sie nicht erkennen können, was ich für ein toller und sensibler Mensch bin, dann muss ich Ihnen das halt mal so richtig vor Augen führen. Von wegen unzuverlässig. Ich bin die zuverlässigste Person überhaupt. Ok, manchmal, eigentlich immer, komme ich ein bisschen zu spät. Aber höchstens eine Stunde. Dann bin ich da. Es sei denn, ich sage ab. Und wenn ich etwas tun soll, dann mach‘ ich das auch. Nur manchmal eben nicht. Aber dafür muss doch nun wirklich jeder Verständnis haben. Schließlich habe ich arge Probleme mit mir selbst. Das betone ich schließlich immer wieder, wenn ich denn einmal darüber spreche. Eigentlich spreche ich ja nicht darüber. Trotzdem bin ich erstaunt, dass so viele Menschen von meinen traumatischen Erlebnissen wissen. Was soll’s. Fleißig bin ich übrigens auch. Man muss einfach nur akzeptieren, dass ich manche Dinge nicht tun will. Weil, wenn man mich unter Druck setzt, dann kann ich nicht. Weder arbeiten, noch pinkeln, oder sonst irgend etwas. Nix kann ich dann. Aber ich erwarte schon von meinen Mitmenschen, dass sie mich so nehmen wie ich bin. Ach, was heißt hier nehmen? Lieben soll man mich, wie ich bin. Zumindest mögen. So! Basta! Ich kann schließlich nichts dafür. Und dass ich von Ihnen kritisiert werde, finde ich totaaaaal unfair.
Mit beleidigten Grüßen
Ihre
Jutta Jammer

Manche Menschen sind einfach nur anstrengend …

Advertisements

15 Gedanken zu „Offener Brief der Jutta Jammer

  1. Lilofee

    okey , deine Ausführung ist eindeutig, nur ich habe garnichts gegen dich und kann mich nicht erinnern,dich beleidigt zu haben.
    Gruß Lilofee

    Antwort
    1. schreibtischgedanken Autor

      Liebe Lilofee, Jutta Jammer hat gemeckert und ist dann verschwunden. Jetzt ist sie beleidigt und wird sich einige Zeit auch nicht mehr melden. So ist sie halt. Einfach nur anstrengend. Alles muss sich um sie drehen. Wegen mir kann sie ruhig wegbleiben. 😉
      Hab‘ einen schönen Sonntag, Iris

      Antwort
  2. Anna-Lena

    Liebe Jutta Jammer,
    so einfach, wie Sie sich das denken , ist es aber nicht.
    Wenn jeder so empfinden und für alles Verständnis erwarten würde, wo kämen wir denn dahin?
    Vielleicht sollten Sie ein wenig selbstkritischer mit sich umgehen, sich einmal neben sich im Spiegel betrachten und ernsthaft beginnen, an Ihren diversen Ecken und Kanten zu feilen.
    Was dann von Ihnen übrig bleibt, ist dicher alles, was der Norm entspricht.
    So wird Sie jeder mögen, angepasst, demütig und gehorsam und nur so passen Sie in unser Team.
    Arbeiten Sie an sich, dann können wir auch mit Ihnen arbeiten.

    Viel Erfolg!!!

    Antwort
    1. schreibtischgedanken Autor

      Liebe Anna-Lena *lach*, sie wird nicht antworten. Sie sitzt jetzt irgendwo und schmollt. Und eigentlich ist es auch gut so. Denn Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung gehen hier sehr weit auseinander. Und eigentlich soll sie auch so bleiben wie sie ist, mit all ihren Ecken und Kanten. Doch immer dieser jammernde Unterton. Sie hat es am Schlimmsten, ihr geht es am Schlechtesten usw. Das ist oftmals sehr anstrengend.
      Hab‘ einen schönen Sonntag, Iris

      Antwort
      1. Anna-Lena

        Deine Worte könnten glatt meine Schwiegermutter beschreiben. Ich habe es mir angetan und bin am Dienstag mit zu ihrem 92. Geburtstag gefahren. Aber sie wird mit jedem Tag schlimmer, obwohl sie geistig voll da ist.

        Wer ihr nicht „die Füße küsst“ und zu allem ja und Amen sagt, ist bei ihr unten durch – aber ich kann gut damit leben. Ein fürchterliches Weib, die da oben offenbar niemand haben will 😯 .

        Ich wünsche euch einen zauberhaften Sonntag.

        Liebe Grüße
        Anna-Lena 😉

        Antwort
        1. schreibtischgedanken Autor

          92! Wow, wahrscheinlich will sie wirklich keiner haben, weder oben noch unten 😉 (Hier in Köln sagt man: Die is esu schläch, die well selvs d’r Düvel nit han.) Doch wenn es danach geht, werde ich wahrscheinlich auch noch lange etwas von meiner Schwiegermutter haben. Seufz.
          Aber viel schlimmer sind all die Jutta Jammers, die viel viel jünger als 92 sind, allen um sich herum das Gefühl geben, sie seien Schuld an der Unentschlossenheit, Unzufriedenheit, dem selbst auferlegten Leid der Jutta Jammer, die ja nun wirklich nichts dafür kann.
          Man würde sie am liebsten schütteln und laut rufen: Wach‘ endlich auf, nimm‘ verdammt noch mal endlich dein Leben in die Hand! Und doch würde dieses Wehklagen kein Ende nehmen. Schrecklich.
          So, jetzt wünsche ich dir aber noch einen schönen Sonntag, den ich mit Schreiben verbringen werde.
          Liebe Grüße
          Iris

        2. Anna-Lena

          So vielKölsch habe ich verstanden 😆 und finde den Spruchköstlich.

          Im Übrigen hast du recht, es gibt so viele Jutte Jammers und denen muss man mal die Flötentöne mit Pauken und Trompeten beibringen.

          Liebe Grüße und eine schöne neue Woche,
          Anna-Lena

  3. Babbeldieübermama

    Ich verstehe die Jutta Jammer voll und ganz, könnte glatt eine Seelenverwandte von mir sein. 😉
    Ich weiß auch nicht, warum alle immer „Opfer“ zu mir sagen. Wenn ich mich dann in eine Ecke verziehe, beleidigt spiele und keinen mitmachen lasse, spotten alle, „Ja Ja, wir wissen, keiner mag dich, keiner liebt dich, alle sind gegen dich. Glaub nicht einer kommt auf die Idee mich zu trösten. Empörend wie gefühllos die Mitmenschen mit mir umgehen. 🙂
    Spottet ihr man weiter über die arme Jutta Jammer während mein Herz vor Mitleid schmerzt. 🙂
    Liebe Grüße
    Bärbel

    Antwort
    1. schreibtischgedanken Autor

      Ja, ja, arme kleine Opfer-Bärbel. Die Menschen sind wirklich grausam, nicht wahr? Keiner versteht dich, keiner mag dich, alle sind gegen dich. Armes kleines Hascherl 😉
      Grinsende Grüße zu dir
      Iris

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s