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Frohe Weihnachten usw.

Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause.
(Elizabeth Barrett Browning)

Tja, und da ich derzeit ziemlich fleißig meine diversen Listen abarbeite, werde ich dieses Zitat einmal wörtlich nehmen, hier eine Pause einlegen um besser voran zu kommen.

Ich wünsche Euch allen ein wundervolles Weihnachtsfest und einen unübertrefflichen Start in das Jahr 2015, in dem wir uns hoffentlich alle wiederlesen. Bis dahin alles Gute.

Eure Iris

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Eine Weihnachtsgeschichte

Der Weihnachtsjunkie

Um zu wissen, dass die Adventszeit näher rückte, brauchte ich keinen Kalender, keine Sternkonstella­tion, keine Medien. Ich hatte Micha. Wenn ich an Micha denke, überkommt mich normalerweise eine tiefe Trau­rigkeit. Ich vermisse ihn. Immer noch. Doch wenn ich Micha mit Weihnachten in Verbin­dung bringe, bin ich einfach nur erleichtert.

Micha gehörte zu den Menschen, die man im Allge­mei­nen als Weihnachtsjunkies bezeichnet. Anfang Novem­ber wurde er zunehmend nervös. Fahrig strich er sich durch sein ohnehin schon struppiges Haar, wenn er un­ruhig auf seinem Stuhl, seinem Sofa, seinem Sessel um­herrutschte. Eine vorweih­nachtliche Besinnlichkeit wurde von ihm auf seine ganz eigene Art und Weise interpre­tiert. Die jährli­che Stromabrechnung, die uns in der Regel eine saf­tige Nachzahlung bescherte, war für ihn der nicht für jedermanns Ohren bestimmte Startschuss. Der Start­schuss in den Wettbewerb der Lichter zu treten.

Fünf Jahre ist es nun her und immer noch ist die Ad­vents- und Weihnachtszeit für mich eine Zeit des Schreckens. Michas nervöse Phase hielt bereits seit zwei Wochen an. Täglich stieg er in den Keller, sor­tierte die säuberlich gepackten und beschrifteten Kartons mit den verschiedensten Weihnachtsdekorationen. Akkurat wur­den Pläne erstellt, Lichterket­ten kontrolliert, defekte Lämpchen ausgetauscht, wiederum in Listen festgehalten. Die im Sommer neu erstandenen Dekorationsartikel, die in der Ga­rage zwischengelagert wurden, mussten nun in die Pläne integriert werden. Jede freie Minute verbrachte er mit dieser Aufgabe. Ich werde nie seine leuchten­den Augen und freudig erregt geröteten Wangen vergessen. Denn genau das war es, was mich ihm sein verhängnis­volles Hobby Jahr für Jahr verzeihen ließ.

Traditionell am Sonnabend vor dem ersten Advent wurde die Leiter am Haus platziert, der Gartentisch her­angerückt und die Pläne mit Steinen beschwert darauf ausgebreitet. Dann konnte es losgehen. Von oben nach unten. Auf dem Dachfirst prangte bald schon der lebens­große Rudolph aus geschmiedeten Eisen mit einer über­dimensional roten Glühbirnen-Nase, dem ein Geschirr aus Ketten angelegt wurde, damit der Schlitten mit dem darin sitzenden detail­getreuen Weihnachtsmann daran befestigt werden konnte. Micha hatte mir einmal voller Stolz erklärt, dass bei diesem Rentierschlitten samt Weihnachts­mann exakt 1678 kleine Lämpchen zum Einsatz kä­men. Warum ich mir gerade diese Zahl ge­merkt habe, kann ich nicht sagen. Doch der Clou war Ru­dolphs Nase. Die nämlich war an einen Lautspre­cher gekoppelt und jedes Mal, wenn sie rot auf­leuchtete, ertönte ein lautes und kraftvolles „HOHOHO“, dessen Klang durch die ganze Straße fegte. Micha war keines­wegs ein technisch begabter Mensch gewesen und ich frage mich heute noch, wie er diese Konstruktion zu­stande brachte. Ich kann mich lediglich daran erinnern, dass er über Wochen an dieser Idee tüftelte.

Auf der Regenrinne wurden Sternenlichter befestigt, die Fenster mit Lichterketten umrandet und auf je­der Fensterbank Schwibbögen arrangiert. Danach widmete sich Micha dem Garten.

Hier tummelten sich nach einigen Stunden Weih­nachtsel­fen, Rentiere, Schneemänner, die Tannen wurden zu Christbäumen – mit Kugeln und Lametta für den Außenbereich – und die Hecke erstrahlte im Lichtermeer. Der Weg bis zur Haustür wurde kon­trastreich mit roten Sternchen beleuchtet, um am Ende des Weges auf die äußerst hässliche Mutter der Kleinen – einen riesigen abwechselnd rot, blau und grün leuchtenden Stern – zu stoßen, der sich trotzig an der Haustür festklammerte.

Micha war fast zufrieden. Jetzt fehlten nur noch ein paar Kleinigkeiten, wie Mistelzweige und Schnee. Mistelzweige hatte er bereits kartonweise auf dem Wochenmarkt be­sorgt und für den fehlenden Schnee hatte er ein Jahr zu­vor eine Schneemaschine bei eBay ersteigert. Doch bevor er sich an die Rest­arbeiten machte, musste ein Probe­leuchten und – nicht zu vergessen – auch ein Probe-HOHOHO des auf dem Dach befindlichen Rudolph durchgeführt werden. Der große Moment stand bevor. Micha führte den Stecker an die Steckdose, zögerte einen kleinen Moment und dann erstrahlte unser Haus, Ru­dolph ließ sein HOHOHO erklingen und die Weih­nachtselfen im Garten winkten freundlich dazu.

Michas Augen glänzten vor Glück und er konnte nicht mehr aufhören zu grinsen.

„Ist es nicht toll?“ rief er begeistert. Eine Antwort er­wartete er nicht wirklich. Beseelt machte er sich an die Restarbeiten, die – wie ich aus Erfahrung wusste – noch bis spät in die Nacht andauern würden. Ich kümmerte mich nicht weiter darum. Sollte er doch seinen Spaß ha­ben. Ich wollte nur ins Bett.

Geraume Zeit später – ich hatte mich bereits ins Schlaf­zimmer zurückgezogen und es mir dort mit einem span­nenden Buch gemütlich gemacht – hörte ich noch einmal Rudolphs HOHOHO, danach ein dumpfes Plopp, ein Knacken und ein Ächzen und dann war Stille. Jetzt wird er gleich fertig sein, dachte ich mir, kuschelte mich in meine Decke, löschte das Licht und schlief alsbald ein.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war Michas Bett neben mir unberührt. Doch wirklich beunruhigt war ich nicht … Schließlich hatte ich den ewigen Lichtermarathon bereits seit einigen Jahren mitge­macht, so dass ich wusste, dass kleine Lampen in Weihnachtsbeleuchtungen gerne schnell das Zeitli­che segneten und natürlich sofort ausgetauscht wer­den mussten. Vielleicht hatte die Schneemaschine auch nicht genügend Schnee produziert oder aber Rudolphs Nase leuchtete nicht im Einklang mit dem HOHOHO des Weihnachtsmanns. Für Micha gab es viele Gründe, die Nacht lieber mit seiner Dekora­tion als mit seiner Frau zu verbringen. Schließlich musste ge­rade am ersten Advent alles perfekt sein.

Ich schlurfte in die Küche, kochte Kaffee und deckte den Frühstückstisch. Nachdem ich schließ­lich geduscht und angezogen war, machte ich mich auf die Suche nach Mi­cha. Als ich die Haustür öff­nete, stand ich vor einem riesigen Kunstschneeberg, auf dem gekonnt die Weih­nachtselfen Schlitten fuh­ren. Die schmiedeeisernen Rentiere gruben ihre Na­sen in den Kunstschnee, gerade so, als ob sie ver­bergen wollten, dass sie nicht Rudolph waren und keine leuchtendroten Nasen hatten. Doch wo war Micha?

Vorsichtig trat ich aus der Haustür und lugte um die Ecke. Dann sah ich ihn. Der Schreck fuhr mir durch alle Glieder. Anscheinend war doch irgendein Kabel, ein Ge­rät, ein elektrisches Deko-Teil defekt gewesen. Mir wurde flau als ich mich an dieses Plopp, dieses Knacken und Ächzen am Abend zuvor erinnerte. Micha lag merkwür­dig verdreht über der Leiter. Seine rechte Hand um­klammerte eine Lichterkette im Tannenbaum, die linke umfasste das Kabel der Schneemaschine.

Es war zu spät für den Notarzt. Zu spät für Micha. Aber zumindest hatte das Probeleuchten funktio­niert.

aus: Iris Boden – Das Leben ist ein Regenbogen – Kurzgeschichten

Buchempfehlung: Wenn das Jahr zu Ende geht

Kaum erscheint das Winterbuch von Anna-Lena bäumt sich hierzulande noch einmal der Sommer auf, verausgabt sich und gibt nur widerwillig sein Amt an den Herbst ab.
Aber ändern können wir nichts daran: Das Jahr geht zu Ende. Unweigerlich.
Und so lautet auch der Titel von  Gaby Bessens Winterbuch: Wenn das Jahr zu Ende geht – Geschichten und Gedichte zur Weihnachtszeit.

Jede Geschichte in diesem Buch macht dem Leser bewusst, dass Weihnachten nicht aus Stress, Völlerei und teuren Geschenken bestehen sollte. Sie fordern auf, innezuhalten und die Liebe des Festes in sich zu spüren. Denn Weihnachten ist etwas, dass nur in unseren Herzen zu finden ist.

Da ist beispielsweise Simon P., ein erfolgreicher Autor, der lernen muss, dass Liebe auch Toleranz und Teilen bedeutet. Oder aber die kleine Frau, die bettelnd am Straßenrand sitzt und die Weihnachtszeit aus einer anderen Perspektive erlebt. Da gibt es Robin, den Weihnachtshund, der das Leben von Helena wieder ins Lot bringt und die kleinwüchsige Anna, für die das Leben letztendlich doch Glück bedeutet.

So schwingt sich die weihnachtliche Liebe durch die Geschichten von Gaby Bessen. Eine wunderbare Lektüre zum Lesen oder gar Vorlesen bei Kerzenschein und dampfenden Tee. Ein Muss für Weihnachtsfans.

Näheres nachzulesen hier

Frohe Weihnachten!

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Macht es wie Herr und Frau Weihnachtsmann und seid schön lieb zueinander …

Ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern ein frohes, lustiges, besinnliches, gemütliches, ausgeflipptes, zufriedenes und vor allem gesundes Weihnachtsfest mit allem, was für euch dazu gehört.

Wir lesen uns wieder nach dem Fest …