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Gelesenes: Bücher im Mai 2014

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues – Roman – 280 Seiten

Es ist die Geschichte von dem jungen Paul Bäumer, der gemeinsam mit seinen Klassenkameraden von der Schule direkt aufs Schlachtfeld des ersten Weltkrieges geschickt wird. Die anfängliche Begeisterung wird ihm und seinen Kameraden zu Anfang des Krieges bereits durch die Schikanen bei der Ausbildung ausgetrieben. Erzählt wird von dem Leben als Frontsoldat zwischen Trommelfeuer, Gasangriffen, Verzweiflung und einer selbstschützenden Verrohung.

Das Buch erschien erstmals 1929 und soll – wie der Autor in einem Vorspruch betont – „weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde auch wenn sie seinen Granaten entkam.“
Und doch gehörte der Roman während des NS-Regimes zur verbotenen und verbrannten Literatur in Deutschland.

Mein Fazit: Vor ca. 30 Jahren las ich zum ersten Mal dieses Buch und war schockiert über die Gräuel des Krieges. Und ich war beim heutigen Lesen erstaunt, wie viel doch in meinem Gedächtnis haften geblieben ist. Eine anschaulichere Anklage gegen den Krieg und vor allem gegen die Kriegsbefürworter kann ich mir nicht vorstellen. Unbedingt lesenswert.

 

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Gelesenes: Bücher im April 2014

Stephen King: Die Arena (Under the dome) – Roman – 1277 Seiten

An einem ganz normalen schönen Herbsttag wird die Stadt Chester’s Mill plötzlich auf unerklärliche Weise durch ein unsichtbares Kraftfeld vom Rest der Welt abgeriegelt. Flugzeuge zerschellen daran und fallen als brennende Trümmer vom Himmel, Tiere werden zweigeteilt, Menschen, die gerade in Nachbarorten unterwegs sind, werden von ihren Familien getrennt und Autos explodieren, wenn sie auf die mysteriöse Wand prallen. Es ist allen ein Rätsel, worum es sich bei dieser unsichtbaren Wand handelt, wo sie herkommt und wann – falls überhaupt – sie wieder verschwindet. Es gibt kein Entrinnen – und je mehr die Vorräte zur Neige gehen, desto stärker tobt der Kampf ums Überleben in dieser unerwünschten Arena …

Mein Fazit: Nun, eigentlich bin ich gar kein King-Fan. Aber nachdem ich sein Sachbuch Das Leben und das Schreiben gelesen hatte, war ich neugierig auf seinen Schreibstil. Tja, und welches Buch sollte ich nun von ihm lesen? Zugegeben, einige seiner Geschichten waren mir durch Verfilmungen bekannt. Und als ich dann in der Buchhandlung war, fiel mir dann Die Arena in die Hände. Ein Thema, was mich schon immer sehr interessierte. Was wird aus uns – ach so zivilisierten – Menschen, wenn wir von allem abgeschnitten werden? Ein wenig erinnerte mich die Inhaltsangabe an Die Wand von Marlen Haushofer.  Und so griff ich zum dem Wälzer mit fast 1300 Seiten. Gut, King schreibt keine hohe Literatur, seine sprachlichen Bilder sind manchmal etwas schräg, aber er versteht es durchaus, Spannung auf einem hohen Level zu halten. Seine Visionen einer solchen fatalen Situation sind durchaus nachvollziehbar und ich habe die Tiefe seiner immens hohen Zahl an Figuren beim Lesen bewundert. Das muss ein Schriftsteller erst einmal hinbekommen. Alles in allem musste ich doch meine Meinung über ihn revidieren. Und Die Arena ist durchaus lesenswert.

Gelesenes: Bücher im März 2014

Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren – Novelle – 125 Seiten

Der Schweizer Fabrikerbe Preising wird in einem tunesischen Oasenresort zur Hochzeit reicher, junger Engländer aus der Londoner Finanzwelt eingeladen. Während die Festgesellschaft sich in ihren Betten noch von den Strapazen des ausschweifenden Festes erholt, verkündet England den Staatsbankrott. Und mit gesperrten Kreditkarten, in der Wüste gestrandet, plötzlich überschuldet und arbeitslos geworden, scheint es nur ein kurzer Schritt in die Barbarei …

Mein Fazit: Mit dieser Novelle ist Jonas Lüscher ein wunderbarer Einstieg in die Schriftstellerei geglückt. Spannend, durchaus auch – insbesondere durch seine wunderbare Sprache – komisch, befasst er sich mit den menschlichen Schwächen, die bleibende Bilder bei mir hervorgerufen haben. Unbedingt lesenswert!

Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki – Roman – 320 Seiten

Tsukuru Tazaki blickt im Alter von 36 Jahren auf ein entgleistes Leben zurück. Freunde, Heimat, Liebe sind nur leere Worte für ihn. Seine Mitmenschen bleiben ihm fremd, allenfalls für Bahnhöfe und Züge bringt er ein vages Interesse auf. Als er Sara kennenlernt, öffnet er sich zum ersten Mal seit langem einer anderen Person. Die Geschichte, die er ihr erzählt, ist die Geschichte eines Verstoßenen. Sie handelt von Geborgenheit und Grausamkeit, Vertrauen und Verrat. Sara ist erschüttert. Wenn ihre Liebe eine Chance haben soll, beschwört sie ihn, dann muss er sich auf eine Reise in seine Vergangenheit begeben. Und so macht Tsukuru sich auf die Suche nach vier Farben in Gestalt von vier alten Freunden, die ihm einst eine tiefe Wunde zugefügt haben.

Mein Fazit: Ich habe mich mit Herrn Tazaki gemeinsam auf die Reise begeben und war genau so wissbegierig auf das Warum. An manchen Stellen der Geschichte ließ Murakami mich im Unklaren, was Traum und was Wirklichkeit ist. Doch diese für ihn schon fast typische Erzählweise machte für mich die Geschichte noch spannender, noch lesenswerter. Doch wirklich, eine Lektüre mir sehr gefallen hat.

David Wonschewski: Geliebter Schmerz – Erzählungen – 209 Seiten

Ein junger Mann entdeckt endlich das Leben, als sein geliebter Vater im Sterben liegt. Ein anderer hat die Chance, für einen einzigen Mord Millionär zu werden. Und dann ist da noch der unsichtbare Kioskbesitzer, der in der Vergangenheit wohnt und doch alles, vor allem sich selbst, längst verloren hat …

Mein Fazit: In den Erzählungen von David Wonschewski geht es um die Tiefen der menschlichen Seele. Die Figuren haben den Kampf mit dem Leben aufgenommen, empfinden den Schmerz als das rettende Gefühl, wenn Krankheit, Liebeskummer, Wut und Tod den alltäglichen Wahnsinn zu überrollen drohen. Mit viel Tiefe, manchmal böse, manchmal zart, wird dem Leser die Herzlosigkeit unserer Gesellschaft vor Augen geführt. Geschichten ganz nach meinem Geschmack, die ich gerne gelesen habe.

Gelesenes: Bücher im Februar 2014

Susanne Diehm: Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens – Roman – 188 Seiten

Hannah ist Mitte 30, als sie – nach einem traumatischen Erlebnis – ihren Job in einem Medienunternehmen aufgibt. In dem Unternehmen, in dem ein Personalleiter kürzlich tödlich verletzt wurde. War es ein Unfall oder eine Intrige entlassener Mitarbeiter mit tödlicher Folge? Wollte sich jemand rächen? Von jetzt auf gleich wird Hannahs Leben bunt und lebendig. Beruflich startet sie mit dem Masterstudiengang Biografisches und Kreatives Schreiben und einem Vertrag für ihr erstes Buch neu durch. Für ihr Buch interviewt sie Menschen aus der Schreibszene Berlins. Eine Begegnung mit einem „Intrigen-Drehbuch-Coach“ inspiriert sie nachhaltig. Plötzlich wird ihr klar, dass sie selbst in einer Intrige gefangen war. Schreibend verarbeitet sie die Geschehnisse und findet neue Wege. Und dann sind da auch noch Jan und Robin. Jan, der nach einer kurzen Liebesbegegnung auf und davon zu sein scheint. Und Robin, der doch nur ihr Mitbewohner und emotionaler Halt ist?

Mein Fazit: Nun ja. Titel und Inhalt klangen vielversprechend. Aber ich habe selten so ein offensichtlich wild zusammengestricktes Buch gelesen. Ganz viele Zufälle, die platt klischeehaft gelöst werden. Und das ganze in einer einfachen und langweiligen Sprache. Also mir hat es nicht gefallen.

Stephen King: Das Leben und das Schreiben – Schreibratgeber / Lebensgeschichte – 350 Seiten

Lange Zeit ist Stephen King, einer der meistgelesenen Schriftsteller unserer Zeit, mit der eigenen Biografie eher zurückhaltend umgegangen. In diesem Buch gibt er ausführlich Einblick in seine Lebensgeschichte und einen Werdegang als Buchautor. King versenkt sich und seine Leser in das „neblige Land der Kindheit“, das viele seiner Romane inspiriert hat, und in die Ängste und Sehnsüchte des jungen Mannes, der sich am Rande einer reichen Gesellschaft durchkämpfen musste. Er schildert seine große Liebe zu seiner Frau Tabitha und die Nöte seiner kleinen Familie und erzählt von den ersten Schreibversuchen, dem plötzlichen Erfolg und dem schwierigen Umgang mit dem Ruhm. Und natürlich schreibt King auch über das Schreiben: was es für ihn bedeutet, wie seine Werke entstehen und welche Autoren und Ereignisse ihn und sein Werk geprägt haben.

Mein Fazit: Eigentlich bin ich kein King-Fan. Obwohl ich viele seiner Geschichten in den verfilmten Fassungen kenne. Weil mein Mann King immer schon mochte. Aber nach diesem Buch sehe ich seine Werke aus einem anderen Blickwinkel. Dieses Buch hat mich tief beeindruckt. Unbedingt lesenswert.

Khaled Hosseini: Traumsammler – Roman – 440 Seiten –

Die kleine Pari ist drei Jahre alt, ihr Bruder Abdullah zehn, als sie mit ihrem Vater aus dem afghanischen Dorf Shadbagh auf einen Fußmarsch quer durch die Wüste aufbrechen. Nach dem Tod der Mutter hat Abdullah seine Schwester großgezogen. Sie besitzen nichts, nur die Geschichten, die der Vater ihnen erzählt, und den unerschütterlichen Glauben aneinander. Doch am Ende der Reise, in Kabul, wartet nicht das Paradies, sondern die herzzerreißende Trennung der beiden Geschwister, die ihr Leben für immer verändern wird.

Mein Fazit: Nachdem mich Drachenläufer und Tausend strahlende Sonnen bereits begeistert hatten, hat mich dieses Buch ebenfalls ganz in seinen Bann gezogen. Ich habe es verschlungen, aufgesogen, wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Fesselnd, intensiv, emotional. Toll!

Gelesenes: Bücher im Januar 2014

Jussi Adler Olsen: Erbarmen – Thriller – 419 Seiten
Am 02. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton festgehalten …
Wer sind die Entführer? Was wollen sie von der Frau? Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?
Es ist der erste Fall für Carl Mork, Spezialermittler des neu eingerichteten Sonderdezernats Q in Kopenhagen, und seinen syrischen Assistenten Hafez el-Assad.
Ein atemloser Wettlauf um das Leben einer Frau, die längst als tot galt.

Jussi Adler Olsen: Schändung – Thriller – 459 Seiten
Ein Leichenfund in einem Sommerhaus. Zwei Geschwister sind brutal ermordet worden und sofort fällt der Verdacht auf eine Gruppe junger Schüler eines exklusiven Privatinternats, die für ihre Gewaltorgien bekannt sind. Einer von ihnen gesteht. Zwanzig Jahre später landet die Akte des Falls auf den Tisch von Carl Mork im Sonderdezernat Q für ungelöste Fälle. Doch wer hat ein Interesse daran, die Geschichte noch einmal aufzurollen?
Die Spuren führen Carl und sein Team bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft und bis ganz weit nach unten, zu Kimmie, die ein Geheimnis mit sich trägt, welches drei Männern zum Verhängnis werden könnte. Die Treibjagd ist eröffnet.

Jussi Adler Olsen: Erlösung – Thriller – 588 Seiten
Die verwitterte Flaschenpost hatte Ewigkeiten dort gestanden, in einem leeren Büro der Polizeiwache Wick, am äußersten Ende von Schottland. Niemand hatte sie beachtet, der Hilfeschrei in ihrem Innern war ungehört verhallt. Jahre später gelangt das verblasste Schriftstück aus der Flasche auf Umwegen ins Sonderdezernat Q in Kopenhagen. Die Materialanalyse zeigt, dass die Botschaft mit menschlichem Blut geschrieben wurde.
Es zeichnet sich ab, dass es sich bei der Flaschenpost vermutlich um das letzte Lebenszeichen zweier Jungen handelt, die irgendwann in den 90er Jahren entführt wurden. Wer Sind die Jungen? Warum haben die Eltern nie eine Vermisstenanzeige aufgegeben? Sie diese Kinder die einzigen Opfer? Oder hat der Täter mehrmals zugeschlagen? Und: mordet er womöglich immer noch?

Mein Fazit: Spannende Plots, ein wirklich schräges Ermittlerteam, das ist etwas, was mir zwischendurch immer gut gefällt. Allerdings hatte ich manches Mal mit der Sprache so meine Schwierigkeiten. Warum? Nun, wenn die Sonne am Untergehen ist … Brrr, solche Formulieren lassen mir die Nackenhaare zu Berge stehen. Aber vielleicht liegt es ja auch an der Übersetzung. Wer aber großzügig darüber hinweglesen kann, den erwartet große Spannung.

So, und dann war zuerst einmal Thriller-Pause:

Leon de Winter: Ein gutes Herz – Roman – 500 Seiten
Ein toter Filmemacher – Theo van Gogh – auf Bewährung im Himmel und sein inhaftierter Mörder unten auf Erden. Ein dubioser jüdischer Geschäftsmann und Drogendealer und ein schwarzer Franziskanerpriester, der ihm sein Herz vermacht hat. Ein Schriftsteller namens Leon de Winter, der von seiner Frau Jessica Durlacher verlassen wurde und sich mit einem Romanprojekt über seinen Lieblingsfeind van Gogh darüber hinwegtrösten will. Wie auch mit der attraktiven Sonja Verstraete, die allerdings den Mann liebt, vor dem sie seit Jahren auf der Flucht ist. Und eine Gruppe junger radikalisierter Muslime, die eine Serie von Gewalttaten inszenieren und Amsterdam in den Ausnahmezustand versetzen.

Mein Fazit: Mannomann, so viel Einfallsreichtum, die verschiedenen Charaktere so miteinander verwoben mit einer Leichtigkeit durch diese Geschichte flanieren zu lassen. Chapeau, Herr de Winter! Eigentlich habe ich es ja nicht so mit Engeln, die auf die Lebenden herunterschauen. Aber diese hier sind einfach zu schräg. Und ganz wichtig – sie gehören in diese Mischung aus Fakten und Fiktion wie das Salz in die Suppe. Ja, auf jeden Fall empfehlenswert.

Gelesenes: Bücher im November / Dezember 2013

Alice Munro: Zu viel Glück – 10 Erzählungen – 363 Seiten
Zu viel oder zu wenig – für das Glück gibt es kein Maß, nie trifft man es richtig. Alice Munros Heldinnen und Helden geht es nicht anders, aber sie haben das Zuviel und Zuwenig erlebt: eine Balance, die nur schwer zu finden ist. Auf ihrer Suche macht Alice Munro ihre Leser zu Komplizen dieser spannenden Mission.

Mein Fazit: Wunderbar!

Alice Munro: Himmel und Hölle – 9 Erzählungen – 381 Seiten
Immer sind es Verstrickungen des Gefühls, die seltsamen, oft komischen Sehnsüchte des menschlichen Herzens und die leisen Katastrophen. Und fast immer sind es die Leben von Frauen, die, verschiedenen Blickwinkeln ausgesetzt, in den widersprüchlichen Möglichkeiten des Schicksals erkundet werden.

Mein Fazit: Fast noch besser als „Zu viel Glück“.

Marion Poschmann: Die Sonnenposition – Roman – 381 Seiten
Der rundliche Rheinländer Alfried Janich findet nach der Wiedervereinigung eine Stelle im „Ostschloss“, einem heruntergekommenen Barockbau, der neuerdings eine psychiatrische Anstalt beherbergt. Hier hält er es für seine Aufgabe, seinen Patienten gegenüber die Sonnenposition einzunehmen: ihnen Orientierung und eine Quelle des Trostes zu sein. Als sein Freund Odilo durch einen rätselhaften Autounfall zu Tode kommt, gerät er selbst auf die Nachtseite der Dinge. Tagsüber rücken ihm die Patienten zu nahe, nachts geistert er durch die Säle, als sei Odilos Schlaflosigkeit auf ihn übergegangen, und es bedrängen ihn Erinnerungen: Wie er mit Odilo in der Eifel Erlkönige jagt und dabei vom Unsichtbarwerden träumt. wie Odilo, mit Biolumineszenz befasst, den geheimen Wunsch nährt, selbst ein leuchtendes Lebewesen zu werden. Auch seine Familiengeschichte mit ihren Verlusten holt ihn ein. Alfrieds ganzes bisheriges Leben scheint auf die Situation im Schloss zuzulaufen: Alle Geschichten enden hier, und bald stellt sich die Gewissheit ein, dass er aus dem Schloss nicht mehr wegkommen wird.

Mein Fazit: Ach, na ja. Eine gewisse subtile Spannung ist auf jeden Fall vorhanden. Sonst hätte ich es nicht zu Ende gelesen. Dieses Buch über recht skurrile Charaktere. Nein, nicht skurril, eher fragil. Ach, ich weiß auch nicht. Eine Empfehlung spreche ich jetzt mal nicht aus. Irgendwie habe ich nicht so die richtige Meinung. Aber so geht es mir häufig, mit hoch gepriesener Lektüre. Und dieses Buch stand auf der Shortlist – nahe daran, den deutschen Buchpreis zu erhalten.

Andrea Maria Schenkel: Kalteis – Roman – 187 Seiten
München in den 1930er Jahren: Süß und sehnsüchtig ist der Traum vom Glück in der großen Stadt – auch Kathie träumt ihn und entflieht der Enge des dörflichen Lebens. Manch eine ist hier schon unter die Räder gekommen, aber sie wird es schon schaffen. Oder? Dunkelhaarig, kräftig und hübsch ist sie, wie die Frauen, die seit einiger Zeit in München und Umgebung spurlos verschwinden …

Mein Fazit: Ein Roman, der auf einem historischen Kriminalfall basiert. Auf jeden Fall lesenswert!

John Banville: Der Lemur – Kriminalroman – 158 Seiten
Der Multimilliardär und Ex-CIA-Agent William Big Bill Mulholland will seine Memoiren schreiben lassen. John Glass, ehemaliger Journalist und Mulhollands Schwiegersohn, nimmt den Auftrag nur widerwillig an. Er engagiert einen Detektiv, der Nachforschungen anstellen soll. Wenige Tage später ist der Mann tot. Erschossen. Offenbar hatte jemand Interesse daran, gewisse Dinge geheim zu halten. Aber Schweigen kann man nicht kaufen – auch nicht, wenn man zu einer der reichsten Familien New Yorks zählt …

Mein Fazit: Knapp, spannend, wortgewaltig mit einer Portion trockenen Humor. Also mir hat’s gefallen.

Mirko Bonné: Nie mehr Nacht – Roman – 354 Seiten
Markus Lee reist in den Herbstferien in die Normandie, um für ein Hamburger Kunstmagazin Brücken zu zeichnen, die bei der Landung der Alliierten im Sommer 1944 eine entscheidende Rolle spielten. Lee nimmt seinen 15jährigen Neffen Jesse mit, dessen bester Freund mit seiner Familie in Nordfrankreich ein verlassenes Strandhotel hütet. Überschattet wird die Reise von der Trauer um Jesses Mutter Ira, deren Suizid der Bruder und der Sohn jeder für sich verwinden müssen. In der verwunschenen Atmosphäre des Hotel L’Angleterre entwickelt sich der geplante einwöchige Aufenthalt zu einer monatelangen Auszeit, die nicht nur für Markus Lee einen Wendepunkt im Leben markiert.

Mein Fazit: Ein Roman mit einem modernen Thema. Es geht um Ausstieg, Selbstfindung, Vergangenheitsbewältigung. Ebenfalls ein Roman der Shortlist. Und es hat mir sehr gut gefallen.

Gelesenes: Bücher im Oktober 2013

Daniel Kehlmann: F – Roman – 380 Seiten
Es ist der Sommer vor der Wirtschaftskrise. Martin Friedland, katholischer Priester ohne Glauben, übergewichtig, weil immer hungrig, trifft sich mit seinem Halbbruder Eric zum Essen. Der hochverschuldet, mit einem Bein im Gefängnis stehende Finanzberater hat unheimliche Visionen, teilt davon jedoch keinem etwas mit. Schattenhafte Männer, sogar zwei Kinder warnen ihn vor etwas, nur: Gelten diese Warnungen wirklich ihm, oder ist etwa sein Zwillingsbruder Iwan gemeint, der Kunstkenner und Ästhet, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht? Schon nimmt das Unheil seinen Lauf.
Mein Fazit: Ich mag die Bücher von Daniel Kehlmann. Und auch F hat mich nicht enttäuscht. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert.

Horst Evers: Für Eile fehlt mir die Zeit – Kurzgeschichten – 222 Seiten
Weltverbesserungsvorschläge in kurzen Geschichten, wie zum Beispiel: „Wir nehmen allen Berlinern ihre Hunde weg und geben ihnen dafür vier Hühner. Dann lägen auf den Bürgersteigen Eier. Es wäre quasi das ganze Jahr über Ostern.“ So bekommt der Leser eine Menge Tipps. Er ist dabei sehr praktisch veranlagt. Noch ein Beispiel: „Wer täglich eine Stunde laufen geht, verlängert zwar seine Lebenserwartung im Schnitt um circa zwei Jahre, verbraucht aber insgesamt vier Jahre seines Lebens nur fürs Laufen.“
Mein Fazit: Kleine, liebevolle, lustige Geschichten, die weit davon entfernt sind, Ratschläge zu erteilen und doch dabei helfen können, dass Leben nicht ganz so ernst zu nehmen. Ich habe es geliebt, dieses Buch.

Hans Koppel: Entführt – Thriller – 350 Seiten
Auf dem Heimweg von der Arbeit wird Ylva entführt. Man verfrachtet sie in einen schalldicht isolierten Keller und demütigt sie. Ylva kennt ihre Entführer, ein lang zurückliegendes Ereignis, das Ylva eigentlich für immer vergessen wollte, verbindet sie mit den Tätern. Der Keller, in dem Ylva gefangen gehalten wird, liegt nur wenige Meter von ihrem Zuhause entfernt. Über einen Bildschirm, den ihre Entführer in dem Kellerverlies angebracht haben, kann sie verfolgen, was dort vor sich geht. Sie sieht ihren Mann Mike, wie er das Haus verlässt. Oder ihre 8-jährige Tochter Sanna, wie sie im Garten spielt. Wie gern wäre sie bei ihnen! Aber Ylva kann sich nicht bemerkbar machen. Verzweifelt trommelt sie an die Tür, an die Wände, auf den Boden und schreit sich die Seele aus dem Leib. Doch das ist erst der Anfang ihrer Pein.
Mein Fazit: Beklemmend, düster, Spannung pur. Wer meine Lektüre hier monatlich verfolgt, weiß, dass ich zwischendurch auf spannende Thriller nicht verzichten kann.

Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund – Novelle – 110 Seiten
Lektor und Autor machen einen Spaziergang in tauender Winterlandschaft. Ein Hund läuft ihnen zu und bricht auf dünner werdendem Eis ein – der Autor und der Lektor sehen sich zum Handeln gezwungen. Der Lektor läuft los, um Hilfe zu holen. Der Autor wagt sich aufs dünne Eis: mit wenig Hoffnung, dem Hund helfen zu können, vielmehr mit der Befürchtung, dass er selbst Schaden nehmen könnte. Aber es muss ihm gelingen, den Hund zu retten …
Mein Fazit: Eine kleine Geschichte, die eine ganz große ist. Ein wunderbares Buch über Verlust, das Schreiben über den Verlust, über die ganze Bandbreite der menschlichen Gefühle. Unbedingt lesenswert!

Wolfgang Herrndorf: Tschick – Roman – 254 Seiten
Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise. Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einm der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine unvergessliche Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz.
Mein Fazit: Anfangs hatte ich beim Lesen etwas Schwierigkeiten mit der Jugendsprache. Ich dachte, dass ich dass über 250 Seiten nicht haben muss. Aber ich habe mich schnell reingelesen und manches Mal musste ich über die Naivität und kindlichen Gedanken lachen, obwohl die beiden Protagonisten nun wahrlich nicht zu den Traumkindern  gehören. Ein kurzweiliges Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.

Petra Hammesfahr: Hörig – Thriller – 318 Seiten
Für die Presse war er ein Dämon. Für Patrizia die große Liebe. Als Heiko Schramm zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, brach für sie die Welt zusammen. Erst viel später akzeptierte sie, was alle wissen glauben: dass er sie nie geliebt und nur benutzt hat. Diese Erkenntnis hat sie vor allem Ed zu verdanken, ihrem früheren Psychotherapeuten und jetzigen Ehemann. Sieben Jahre später steht Heiko vor ihr. Beteuert seine Liebe. Und Patrizia kann nicht anders, als mit ihm zu gehen. Zurück bleibt eine Nachricht von ihr: „Es tut mir leid, Ed.“ Während Ed alle Hebel in Bewegung setzt, um sie zu finden, erkennt Patrizia nach und nach die entsetzliche Wahrheit …
Mein Fazit: Ach, na ja, jetzt habe ich bereits andere Bücher gelesen und kann mich an dieses kaum noch erinnern. Petra Hammesfahr hat jede Menge Bestseller geschrieben. Was in meinen Augen mal wieder der Beweis dafür ist, dass Bestseller mich nicht unbedingt  begeistern müssen. Ja, es war schon ein wenig spannend. Doch ehrlich … ich fand die ganze Geschichte eher konstruiert und wenig glaubwürdig. Vielleicht deshalb, dass ich mich so gar nicht in die Protagonistin hineinversetzen konnte.