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Warum ich schreibe …

Ich schreibe, weil ich oft schweige und es leichter ist, den Stift zu führen.

Ich schreibe, weil ich es kann und weil ich es nicht kann.

Ich schreibe, weil ich mein Schreiben mit jedem Wort und mit jedem Satz verbessern will.

Ich schreibe, weil ich mich durch das Schreiben frei fühle. Denn Freiheit bedeutet für mich zu wissen, wer man ist und was man auf dieser Welt tun sollte, um es dann auch zu tun.

Ich schreibe, damit Erinnerungen nicht verblassen und irgendwann einmal vergehen. Denn Vergänglichkeit, das Verstreichen der Zeit, macht mir manchmal Angst.

Ich schreibe, um mich festzuhalten, wie bei einem Sturm auf hoher See, damit ich nicht über Bord gehe.

Ich schreibe, weil ich mich oft allein fühle, trotz geliebter Menschen um mich herum. Die Sterblichkeit ist oft spürbar.

Ich schreibe, weil viele Geschichten in meinem Kopf sind.

Ich schreibe, weil ich ein Mensch bin, der sein Leben meistern will.

Ich schreibe, um mich selbst zu erkennen, mich zum Leben zu erwecken, mich zu ordnen.

Ich schreibe, weil es mir hilft, mich mit dem Leben auseinander zu setzen.

Ich schreibe aus dem Wunsch heraus, mich geborgen zu fühlen.

Ich schreibe, weil es mich fit hält.

Ich schreibe, weil ich ich bin.

Wörter!

Wörter sind nicht nur Wörter! Wörter konstruieren. Wörter können Gefühle hervorrufen. Wir alle haben Wörter in uns, die eine ganz besondere, tiefe Bedeutung für uns haben. Je nach dem, was wir mit diesem Wort verbinden, welche Erfahrungen wir gemacht haben.
Deshalb ist es für einen Schreibenden besonders wichtig, auf eine möglichst genaue Wortwahl zu achten. Und doch kommt es sehr häufig auf die unterschiedlichen Assoziationen des Lesers an.
So ist für den einen ein schillerndes Nachtleben aufregend und abenteuerlich. Für den anderen jedoch bedrohlich und furchteinflößend. Und für einen Dritten gar langweilig und abstoßend.
Die einen halten Mäuse für possierliche Tierchen, anderen stehen bereits die Nackenhaare zu Berge, wenn sie schon eine Computer-Maus anfassen sollen.
Den einen läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn sie eine Metzgerei betreten und dabei an den Sonntagsbraten denken. Anderen schaudert es vor dem blutigen Fleisch und bedauert die Tiere, die ihr Leben lassen mussten.

Assoziation ist alles. Und die Wörter haben eine unermessliche Macht.

Wände

Neulich – ich hatte es mir in meinem Lieblingssessel bequem gemacht – starrte ich einfach nur die Wand an. Manchmal hat das etwas sehr Entspannendes für mich. Einfach nur sitzen und starren. Den Gedanken Auslauf gewähren. So saß ich also da und dachte darüber nach, dass Wände – positiv betrachtet – Schutz bieten. Vor Kälte, vor Eindringlingen, ja sie wahren meine Privatsphäre. Obwohl … dafür müssen sie schon recht dick oder gut isoliert sein. Denn wenn Wände Ohren haben, ist es vorbei mit der Privatsphäre. Na ja, ich weiß schon, dass Wände keine Ohren haben. Gemeint sind hier vielmehr die Menschen hinter den Wänden, die lauschen könnten.
Ich kann aber auch gegen die Wand reden. Dann dringe ich nicht durch, dann will mein Gegenüber nichts (mehr) hören. Genau wie eine Wand, wird dieser Jemand nicht antworten. Daran könnte ich dann verzweifeln, also die Wände hochgehen. Aber so weit will ich es dann doch nicht kommen lassen. Wollen wir mal nicht den Teufel an die Wand malen. Denn wenn man das macht, dann kommt er auch. Und wir wollen ja kein Unheil herbeirufen, nur weil ich über Wände sinniere …

Was ich mag …

Ich mag den frühen Nebel, der Geräusche schluckend alle Konturen weich und zart erscheinen lässt.
Ich mag ein Bad bei Kerzenschein. Schaumig und duftend.
Ich mag in den frühen Morgenstunden einen Kaffee auf dem Balkon trinken, frische Luft in meine Lungen pumpen und mit geschlossenen Augen der Stille lauschen.
Ich mag in einer Decke gewickelt ein Buch nach meinem Geschmack lesen. Mich darin verlieren.
Ich mag in meinem Sessel sitzen und das Nichtstun genießen.
Ich mag den Duft frisch gewaschener Wäsche.
Ich mag geschliffenes Glas, in dem sich das Licht bricht.
Ich mag das Schnurren des Katers, wenn er auf mir liegt. Das leichte Vibrieren verbunden mit dem vertrauten Geräusch wirkt so beruhigend.
Ich mag es, nicht reden zu müssen und doch verstanden zu werden.
Ich mag das Gefühl, fertig zu sein, alles erledigt zu haben.
Ich mag die Sonne und den Regen. Denn sie geben Wärme und Wasser.
Ich mag gelbe Tulpen in meiner blauen Vase.
Ich mag meinen Füller, meinen schwarzen, leichten Linkshänder-Füller, mit dem  ich schon so viele Seiten beschrieben habe.
Ich mag mein blaues Kleid.
Oh, und ich mag Schokolade.
Ich mag es, zu Fuß zu gehen. Einen Schritt nach dem anderen. Dabei kann ich so wunderbar nachdenken.
Ich mag, wenn er mir durch die Haare streicht.
Ich mag den Duft von Lavendel.
Ich mag die Tage frei von Schmerzen.
Ich mag mein Leben – meistens.

Schattenspiele

Die dunkle Jahreszeit beginnt. Ich mag das. Die Zeit der Kerzen und Teelichter, die in mir so viel Behaglichkeit auslösen. Besonders reizvoll sind die tanzenden Schatten der kleinen Flammen, die, wenn man sie nur lange genug beobachtet, einen eigenen Rhythmus zu haben scheinen.

Ich beobachte Kater Tristan, wie er mit seinem eigenen Schatten spielt und versucht, ihn zu fangen. Er schafft es einfach nicht, über seinen eigenen Schatten zu springen. Tja, wer kann das schon? Etwas zu tun, was jemandes Wesen und Natur völlig widerspricht, ist einfach unmöglich. Oder?

Der menschliche Schatten ist nach altem Volksglauben das Symbol der Seele und der Mensch kann seine Natur, seinen Charakter, seine Überzeugung nicht verleugnen. Er kann also nicht über seinen eigenen Schatten springen.

Mittlerweile hat Kater Tristan aufgegeben. Es war ihm wohl zu mühsam. Nun bin ich an der Reihe. Er versteckt sich hinter dem Kamin. Doch das Licht strahlt ihn von hinten an, so dass er seinen Schatten vorauswirft. Er kündigt sich an. Gleich wird er um die Ecke schießen und kurz vor mir mit allen vieren in die Höhe springen. Ein großes Ereignis. Sein großes Ereignis. Nun ja, große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.

Aber in der Tat: Seine Sprünge sind wahrhaft grandios. Wir Menschen kommen an solch eine Sprungkraft nicht einmal annähernd heran. Damit kann das Tier mich weit übertreffen, mich in den Schatten stellen. Und wenn es eben um diese Sprünge geht, dann hat er die volle Aufmerksamkeit und ich stehe in seinem Schatten. In diesem Fall natürlich gerne. Sonst eher nicht.

So beobachte ich weiter die tanzenden kleinen Flammen und denke darüber nach, dass das Wörtchen Schatten in der Bedeutung „nur gedacht, schwach, kränklich, kümmerlich“ sich häufig in unserer Sprache wiederfindet. Sieht man aufgrund von Krankheit sehr schlecht aus, ist man nur noch ein Schatten seiner selbst.

Man führt vielleicht ein Schattendasein, lebt in einem Schattenreich oder der auf der Schattenseite. Und doch … Schatten gibt es nur im Paket mit Licht. Ohne Licht kein Schatten. Und umgekehrt: Ohne Schatten, kein Licht. Ohne Unglück, kein Glück. Ohne schlechte Zeiten, keine guten Zeiten.

Ich mache es einfach wie Kater Tristan. Ich spiele mit meinem Schatten und wenn ich genug von ihm habe, lasse ich ihn einfach links liegen … oder rechts … oder hinter mir …

Selbstzweifel

Da sind sie wieder. Wie Ratten in der Nacht, die sich aus der Kanalisation hervortrauen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Sie schleichen sich an mich heran. Lautlos. Zunächst unmerklich. Diese Selbstzweifel. Knabbern an mir als sei ich ein Schokoladenkeks. Nagen an meinem Selbstvertrauen, verunsichern mich. Hinterlassen eine angefressene Selbstwahrnehmung. Wer bin ich schon? Ich …
Ich wehre mich. Verjage sie. Ich bin so, wie ich bin. Nicht besser, aber auch nicht schlechter als andere. Der Morgen erwacht und die Ratten ziehen sich in ihre Kanalisation zurück. Dort gehören sie hin.

Zeug

Ich kenne Menschen, die es sich mit der Sprache leicht machen. Egal, ob sie von Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken, Schreibutensilien oder Katzenstreu sprechen, alles wird zu Zeug, Zeugs oder Zeusch, wie die Rheinländer bevorzugt sagen.
Manchmal sitzt dann der Schalk in meinem Nacken und ich frage ganz unschuldig nach, was denn gemeint sei. Aber auf Dauer ist mir das dann doch zu anstrengend.

Aber was genau ist Zeug?
Es ist eine alte Bezeichnung für Kleidung / Kleiderstoff. Die Bezeichnung ist in der Redewendung sich ins Zeug werfen (gute Kleidung anlegen) erhalten geblieben. Wenn wir uns aber ins Zeug legen, dann strengen wir uns an. Sehr sogar. Hierbei bezieht sich das Zeug wohl auf das Geschirr von Zugtieren in früheren Zeiten, die sich beim Transport schwerer Lasten so sehr ins Zeug hineinstemmten, dass es den Anschein hatte, sie legten sich zu Boden. Dieser Hintergrund ist wohl auch bei der Wendung was das Zeug hält zugrunde zu legen.
Wenn jemand das Zeug zu etwas besitzt, dann ist er einer Sache gewachsen, er hat die Befähigung, das Talent dazu. Demjenigen kann man dann nicht so leicht am Zeug flicken, also in Misskredit bringen. Und diejenigen, die so etwas ständig versuchen, mit denen sollte man dann einmal scharf ins Zeug gehen, also ihn streng behandeln und scharf vorgehen.

Ein doch recht vielseitiges Wort. Kein Wunder, dass es oft als Platzhalter herhalten muss.