Archiv der Kategorie: Glücksmomente

Was ich mag …

Ich mag den frühen Nebel, der Geräusche schluckend alle Konturen weich und zart erscheinen lässt.
Ich mag ein Bad bei Kerzenschein. Schaumig und duftend.
Ich mag in den frühen Morgenstunden einen Kaffee auf dem Balkon trinken, frische Luft in meine Lungen pumpen und mit geschlossenen Augen der Stille lauschen.
Ich mag in einer Decke gewickelt ein Buch nach meinem Geschmack lesen. Mich darin verlieren.
Ich mag in meinem Sessel sitzen und das Nichtstun genießen.
Ich mag den Duft frisch gewaschener Wäsche.
Ich mag geschliffenes Glas, in dem sich das Licht bricht.
Ich mag das Schnurren des Katers, wenn er auf mir liegt. Das leichte Vibrieren verbunden mit dem vertrauten Geräusch wirkt so beruhigend.
Ich mag es, nicht reden zu müssen und doch verstanden zu werden.
Ich mag das Gefühl, fertig zu sein, alles erledigt zu haben.
Ich mag die Sonne und den Regen. Denn sie geben Wärme und Wasser.
Ich mag gelbe Tulpen in meiner blauen Vase.
Ich mag meinen Füller, meinen schwarzen, leichten Linkshänder-Füller, mit dem  ich schon so viele Seiten beschrieben habe.
Ich mag mein blaues Kleid.
Oh, und ich mag Schokolade.
Ich mag es, zu Fuß zu gehen. Einen Schritt nach dem anderen. Dabei kann ich so wunderbar nachdenken.
Ich mag, wenn er mir durch die Haare streicht.
Ich mag den Duft von Lavendel.
Ich mag die Tage frei von Schmerzen.
Ich mag mein Leben – meistens.

Morgenritual

Morgens um sechs sitze ich mit meiner ersten Tasse Kaffee auf dem  Balkon und genieße die Ruhe. Es ist noch dämmrig, die Tage werden kürzer. Mich fröstelt ein wenig und ich ziehe die Strickjacke etwas enger um mich. Hier und da stimmen Vögel ihren Gesang an, streunende Katzen klettern über die Dächer. Der Himmel zeigt sich in seinen schönsten Farben, ein leichter Wind lässt die Blätter rascheln.
Ich schließe für einen Moment die Augen und atme tief ein, nehme Sauerstoff auf und lasse dann die Luft langsam durch die Lippen in den noch kühlen Morgen strömen. Ruhe. Die Zeit scheint für einen Augenblick still zu stehen, alles wirkt gelassen, zeitverzögert, entschleunigt.
Ich trinke meinen Kaffee, beobachte noch ein wenig die Streuner aus der Nachbarschaft. Ein tiefer Seufzer entweicht meinem Inneren. Die Kaffeetasse ist leer und es wird Zeit, mich dem Tag zu stellen.

Mein kleiner Buchladen

Ich liebe diesen kleinen Buchladen in unserer Stadt. Ich bin dort bekannt. Namentlich. Denn dieser kleine Buchladen ist nicht nur ein Geschäft, in dem ich Bücher kaufe. Nein – er ist eine Oase, ein Ort der Freude, des Glücks. Und weil es mir dort so gut gefällt, bin ich häufig dort. Wann immer es mir die Zeit erlaubt stöbere ich durch die Regale, lasse mich in einem alten Ohrensessel nieder, plaudere mit dem netten Buchhändler.
Einmal im Monat nehme ich an dem Literaturkreis im Buchladen teil. Mit Gleichgesinnten über Bücher, über die gelesene Lektüre zu sprechen, ist ein befriedigendes Gefühl.

Seit einiger Zeit gibt es dort auch ein Café, in dem man kleine kulinarische Gerichte zu sich nehmen, lesen und schreiben kann. Stundenlang, wenn man will. Hier steht die Zeit still. Nichts zum Lesen dabei? Kein Problem. Bücherregale sind gut gefüllt. Beim Kaffeetrinken braucht man nur über sich zu greifen, und schon hat man eine ansprechende Lektüre in der Hand.

Autorenlesungen, musikalische und komödiantische Veranstaltungen … all das kann man in diesem kleinen Buchladen oder dem dazugehörenden Café erleben.

Einmal eine Nacht in einer Buchhandlung verbringen? Allein? Zu zweit? Oder mit einer kleinen Gruppe? Ebenfalls kein Problem. Einfach die kleine Buchhandlung mieten.

Ach ja, und im Oktober fahre ich mit netten Menschen gemeinsam zur Frankfurter Buchmesse. Natürlich alles durchorganisiert von dem netten Buchhändler aus meinem kleinen Buchladen.

High Heels

Wow! Da stehen sie. Fein säuberlich, fast schon züchtig, eng nebeneinander. Und doch … etwas verrucht laden sie zum Hineinschlüpfen ein. Zehn Zentimeter Pfennigabsatz plus ein Zentimeter Plateausohle. Schwarz, dominant, geil. Sie lassen meine Schritte kleiner und eleganter meine Beine schlanker, weiblicher und doch muskulös erscheinen. Ich schlüpfe hinein. Trippele, leicht in den Hüften wiegend, durch die Wohnung. Spüre die aufreizende Weiblichkeit durch meinen Körper strömen. Vor dem Spiegel mache ich halt. Ich kann den Blick von meinem unteren Spiegelbild nicht abwenden. Purer Sex. Ich drehe mich, posiere in meinen High Heels. Und fühle mich begehrenswert – einmalig. Langsam schreite ich ins Schlafzimmer, lasse mich elegant auf das Bett nieder und schlage die Beine kokett übereinander. Dann streife ich sie von meinen Füßen – meine wunderbaren High Heels. Platziere sie wieder – gut sichtbar, fast schon züchtig eng nebeneinander – neben den Schuhschrank.
Und dann gönne ich meinen armen, geplagten, schmerzenden Füßen eine barfüßige Zeit.

Badewonne

Ehrlich, ich frage mich, wie ich 16 Jahre lang in einer Wohnung ohne Badewanne – und damit ohne Badewonne – leben konnte …
Ist es nicht herrlich in warmen Wasser zu liegen, die Augen zu schließen und zu spüren, wie leicht der Körper wird? Ganz langsam steigen die Arme an die Wasseroberfläche und bewegen sich sachte im Takt mit den kaum wahrnehmbaren Wellenbewegungen, die ich mit meinen Zehen erzeuge. Meine Muskeln sind vollkommen entspannt. Seltsam … Sind sie überhaupt noch da, die Muskeln?
Schaum kitzelt meine Nase. Seelenerheiterung.
Heißer Wasserdampf erfüllt den Raum. Duftschwaden wabern um mich und ich genieße.
Ja, wir sind bereits die besten Freunde – meine neue Badewanne und ich …

Glücksmoment

Hach, wie ist es doch schön, an einem Montag nicht arbeiten zu müssen. Den Vormittag genutzt, alle lästigen Hausarbeiten zu erledigen. Das Kochen fiel aus, stattdessen gönnten wir uns seit langem einmal wieder völlig ungesundes Fastfood. Und dann? Einfach nur in meinem Lieblingssessel sitzen, mit meiner Kuscheldecke und einem guten Buch. Kann das Leben überhaupt schöner sein? Ich zünde mir eine Kerze an. So eine, die Lavendelduft verströmt, halte mein Buch ganz fest, schließe die Augen und lächle vor mich hin.
„Bist du glücklich?“ höre ich meinen Schatz fragen.
„Ja, sehr“, antworte ich.
„Dann bin ich es auch.“
Und wir beide genießen schweigend und lächelnd diesen wunderbaren Augenblick …
Kann ein neues Jahr überhaupt schöner beginnen?