Da sitze ich im Wartezimmer meines Hausarztes. Voll ist es – sehr voll. Gerade noch reichzeitig konnte ich mir einen Stuhl ergattern, auf dem mir jetzt – nach ungefähr einer guten Stunde Wartezeit – das Hinterteil schon ziemlich weh tut. Tja, aber es ging nicht mehr anders. Dieser Besuch muss jetzt sein!
Ich werde das Gefühl nicht los, dass es Patienten gibt, die zur reinen Unterhaltung ihren Arzt besuchen. Wenn sie im Wartezimmer keine ansprechende Unterhaltung geboten bekommen, so dauert die Sitzung beim Arzt umso länger. Also, das ist natürlich mein subjektives Empfinden – jetzt, in diesem Moment. Aber ich halte einfach einmal daran fest. Jawohl! Das ist so! Basta!
Unruhig rutsche ich auf diesem unsäglichen Holzstuhl hin und her. Ehrlich, für Menschen mit Gelenkproblemen entwickelt sich diese Warterei zur regelrechten Foltererprobung …
Boah, geht das hier denn gar nicht mehr weiter???
Diese beiden, die mir gegenüber sitzen, sich wohl nach einiger Zeit zufällig hier im Wartezimmer wiedergetroffen haben, quatschen und quatschen und quatschen … Und das Beste daran ist: Je länger sie sich unterhalten, desto gesünder werden sie. Blubberheilung – Quatschgenesung oder wie man das auch immer nennen mag. Fakt ist allerdings: Das Schneuzen, Schnaufen, Näseln und Hüsteln hat in der letzten halben Stunde erheblich nachgelassen und jetzt … tja, wie gesagt, Brabbelgesundung …
Puh, schon wieder ein Stillstand in der Patientenabfertigung und eine weitere halbe Stunde Wartezeit ist verstrichen. Langsam überkommen mich Gelüste nach etwas Essbarem. Ja ja, ich gehöre nunmal zu den Menschen, die immer essen können. So ein bisschen Krankheit hält mich noch lange nicht vom Essen ab. Selbst bei meiner Gallenkolik damals hatte ich Hunger. Nur gegessen habe ich nichts. Dafür hatte ich zuviel Respekt vor einer eventuellen Magenrebellion …
Aber ich will nicht weiter an Essen denken, sonst besteht nun wirklich die Gefahr, das mein Magen für die Wartezimmer-Gäste ein kostenloses Konzert gibt …
Und überhaupt – jetzt packe ich meine Kladde wieder weg und hoffe darauf, bald aufgerufen zu werden …
Nachtrag: Dieses Geschreibsel entstand heute vormittag im Wartezimmer. Auf mein Buch konnte ich mich nicht konzentrieren. Die Unterhaltungen um mich herum lenkten mich zu sehr ab. Nach dreieinhalb Stunden Wartezeit war ich dann endlich an der Reihe. Und jetzt kann ich mich erst einmal auf meine eigene Gesundung konzentrieren …
Brauche ich nicht. Wahrscheinlich hat alles im Leben einen Sinn. Also, warum darüber sinnieren? Ab in die Kiste!
Puh … Ärger ärgert mich und derjenige, diejenige oder dasjenige wer oder was mich ärgert reagiert so gar nicht. Und ich hab’ dann den Ärger am Hals. Nee, nee, brauch’ ich nun wirklich nicht!
Oh je … Diese bedrückende Dunkelheit im Herzen … Kann’ mal jemand das Licht anmachen? … Danke! Und nun: Weg damit!
Hhhmm … Die behalte ich mal. Manchmal kann sie sehr hilfreich sein …