Eigenverantwortung

Sie fühlte sich stets verantwortlich. Für alles und jeden machte sie sich die zu tragende Verantwortung bewusst. Dieser Drang, etwas unternehmen zu müssen, zu handeln, zu reagieren, war immer gegenwärtig, immer vorhanden.

„Du kannst nicht die ganze Welt retten – nicht für alles die Verantwortung übernehmen“, sagte sie sich. Sagten auch andere. Viele andere. Und doch war es da. Dieses zwanghafte Empfinden. Es ließ sie nicht los.
Mit einem feinen Gespür übergab ihr Umfeld ihr den Vortritt. Man überließ ihr das Kümmern. Allein. Alleinverantwortlich. Und sie funktionierte. Wochen, Monate, Jahre.

Doch eines Tages im November, im Grau und Trübsinn dieses Monats, brach sie zusammen. Wie ein Luftballon, aus dem die Luft entweicht. Ein kurzes Aufbäumen, ein unkontrolliertes Flattern durch Raum und Zeit, ein in sich Zusammenfallen und erschlafftes Liegenbleiben.

Da bemerkte sie, dass sie etwas übersehen hatte: Die Verantwortung für sich selbst.

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18 Gedanken zu „Eigenverantwortung

    1. schreibtischgedanken Autor

      Ja, so kann es kommen, schneller als man denkt. Mir ist es so ergangen. Es ist schon einige Zeit her. Eine Therapie, die ich in meinen Alltag einbauen konnte, half. Doch jetzt ist es einer Kollegin passiert. Sie ist allerdings in der Klinik gelandet.
      Liebe Grüße zu dir

      Antwort
  1. Frau Tonari

    Danke. Das ist exakt mein Text.
    Ich muss auch gerade lernen, mehr auf mich zu achten, mich wertzuschätzen, Signale meines Körpers zu hören und ihn zu pflegen.

    Antwort
    1. schreibtischgedanken Autor

      Achtung und Wertschätzung seiner eigenen Person, eine gesunde Portion Egoismus, ein liebevoller Umgang mit sich selbst – das ist das gesündeste, was man für sich tun kann. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei, jeden Tag aufs Neue.
      Liebe Grüße – Iris

      Antwort
  2. chinomso

    Bei mir war es auch beinahe so weit. Ich habe die Notbremse gezogen. Und nun bin ich erstmal zu Hause und mache Pläne wie es mit mir und meinem Leben weiter gehen kann/soll/wird.
    Aber das ist die bessere Lösung als einfach immer so weiter zu machen. Kann ich nur wärmstens empfehlen.

    Schön, dass du einen guten Weg für dich gefunden hast.

    Antwort
    1. schreibtischgedanken Autor

      Bei mir war es vor ein paar Jahren so. Die Krankheit meines Mannes mit allem was dazu gehört, brachte mich an meine Grenzen. Heute geht es mir gut. Ich muss jedoch immer wieder aufpassen, dass ich nicht in alte Muster verfalle.

      Antwort

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