Geschichten will ich schreiben …

Da sitze ich an meinem Schreibtisch. Geschichten will ich schreiben. Über Menschen, die in ihrer Welt gefangen sind. Die daraus ausbrechen oder daran scheitern.

Und was mache ich?

Den Rentenantrag für meinen Liebsten ausfüllen. Kopien fertigen. Unterlagen heraussuchen. Alle zwei Jahre das gleiche Prozedere.
Liebe Rentenversicherungsanstalt, warum glaubst du eigentlich nicht den Ärzten, dem Neurologen, dem Neuroonkologen, dem Strahlenarzt, den Therapeuten … ?

Der nächste Antrag. Verlängerung des Schwerbehindertenausweises. Auch hier alle zwei Jahre das gleiche Prozedere.
Lieber Landrat, liebes Sozialamt, warum glaubt ihr nicht den Ärzten, dem Neurologen, dem Neuroonkologen, dem Strahlenarzt, den Therapeuten … ?

Und noch ein Antrag. Ein Antrag auf Bezuschussung eines zweiten Treppengeländers von Seiten der Pflegekasse. Doch halt, ich brauche ja noch eine Notwendigkeitsbescheinigung des Pflegedienstes. Pflegedienst? Ich pflege doch selbst. Ach ja, ich warte also auf den halbjährlichen Kontrolltermin (ja, ja, ich weiß, das heißt eigentlich Beratungseinsatz) unseres Pflegedienstes.
Liebe Pflegekasse, erst kürzlich war der Medizinische Dienst zur Widerholungsprüfung bei uns. Warum glaubst du nicht deinem eigenen Dienst? Warum schaut ihr nicht einfach in den ausführlichen und euch vorliegenden Bericht?

Da sitze ich nun an meinem Schreibtisch. Geschichten will ich schreiben. Über Menschen, die in ihrer Welt gefangen sind. Die daraus ausbrechen oder daran scheitern. Und was mache ich?

Ich schreibe meine eigene kleine Geschichte.

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20 Gedanken zu „Geschichten will ich schreiben …

  1. Babbeldieübermama

    Du Ärmste, wie ätzend. Die deutsche Bürokratie läßt grüßen.
    Obwohl, mein vorzeitiger Ruhestand, ich war erst 38 Jahre, ging problemlos über die Bühne. Mit dem Schwerbehindertenausweis war es ebenso. Er gilt unbefristet. Mit dem Eintrag AG war das dann allerdings ein Kampf. Als er ausgefochten war, musste dann ein Antrag auf Ausstellung eines Ausweises für die Behindertenparkplätze bei der Zulassungsstelle gestellt werden. Der natürlich, wie kann es anders sein, alle drei Jahre wiederholt werden muss.
    Wenn ich Geld für Hilfsmittel von der Pflegeversicherung brauche, stellt der Arzt eine Anordnung aus, ich reiche sie bei der Krankenkasse ein und innerhalb kürzester Zeit wird entschieden. Hört sich sehr einfach an, aber auch ich muss immer wieder hier und da sinnlose Anträge stellen oder um mein Recht kämpfen. Die Behörden, Krankenkassen, ja selbst die Krankenhäuser und Ärzte könnten viel Zeit und Geld sparen, wenn sie das endlich ändern würden Aber nein, wo du hinsiehst, Anträge über oftmals sinnlose Anträge.
    Ärgere dich nicht, mach dir lieber mit deinem Mann einen geruhsamen Sonntag.

    Liebe Grüße
    von mir
    Bärbel

    Antwort
    1. schreibtischgedanken Autor

      Mein Mann war 40 Jahre, als er Rentner wurde. Sieben Jahre ist es jetzt her. Und wir müssen alle zwei Jahre diese doofen Anträge stellen. Die Ärzte haben bescheinigt, dass er nie wieder arbeitsfähig sein wird, und doch immer wieder aufs Neue. Vieles ist überflüssig, wenn die Ämter einfach einmal bei der Nachbarabteilung die Unterlagen zusammenkramen würden. Aber nein, noch einmal alles von vorne. Am meisten ärgere ich mich darüber, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass die Angehörigen sich darum kümmern. Er selbst könnte es gar nicht. Ich frage mich dann immer, was mit den armen Leuten passiert, die niemanden haben.
      Aber was soll’s. Die Anträge sind alle geschrieben, jetzt kann nach und nach alles erledigt werden.
      Hab‘ noch einen schönen Rest-Sonntag
      Liebe Grüße zu dir
      Iris

      Antwort
      1. Clara Himmelhoch

        Du schreibst: „Ich frage mich dann immer, was mit den armen Leuten passiert, die niemanden haben.“ – dafür gibt es dann gerichtlich bestellte Betreuer, die das machen. Mein Schwager ist so einer. Wenn der Patient Geld oder Vermögen hat, muss er den Betreuer bezahlen, sonst kommt der Staat oder die Pflegekasse dafür auf.
        Ich glaube es dir unbesehen, wie das nervt.
        Ich habe immer das Gefühl, dass hinter diesem „Wahnsinn“ Methode steckt – vielleicht stellen ja manche doch keine Anträge und es wird Geld gespart.
        Durchhalten – und das weiße leere Papier nicht als Feind, sondern als Freund betrachten, der beschrieben werden möchte.

        Antwort
        1. schreibtischgedanken Autor

          Klar, gibt es gerichtliche Betreuer, aber bis mit denen alles geregelt ist, da muss man ja zuerst einmal hinkommen …
          Wer weiß, ob Methode dahinter steckt. Ich denke aber eher, dass heute – vielleicht durch Überlastung – kein Handschlag mehr als nötig von den Sachbearbeitern getan wird. Dadurch hat man dann als Antragsteller das berechtigte Gefühl, alles doppelt und dreifach tun zu müssen.
          Nun ja, jetzt ist soweit alles fertig, und die Ämter können sich jetzt wieder Monate Zeit mit ihrer Antwort lassen …
          Ich danke dir für deine Worte, liebe Clara und wünsche dir einen guten Wochenstart
          Liebe Grüße von Iris, die jetzt zur Arbeit muss.

  2. Anna-Lena

    Die deutsche Bürokratie ist berühmt für ihre komplizierte Abwickelung von Dingen, dabei sollte man denken, im Zeitalter der modernen Technologieen hätte sich alles vereinfacht.
    Augen zu und durch und den Rest des Tages genießen.
    So mache ich das jetzt mit meiner Unterrichtsvorbereitung für morgen auch.

    Liebe Grüße und Kopf hoch, liebe Iris!
    Anna-Lena

    Antwort
    1. schreibtischgedanken Autor

      Von wegen vereinfacht, es wird – glaube ich – immer schlimmer. Wahrscheinlich liegt es daran, dass überall Personal eingespart wird und die Menschen dort den einfachsten Weg suchen, die Anträge nach Schema F abzuarbeiten. Leider auf Kosten der Antragsteller. Schlimm ist es nur, dass kranke Menschen oftmals damit überfordert sind. Aber wozu gibt die Angehörigen. Und bei der Feststellung der Pflegestufe werden diese Dinge nicht anerkannt. Alles Liebesdienste, nicht wahr? 😉
      Ich hoffe, du hast deine Unterrichtsvorbereitung schnell hinter dich gebracht und genießt nun den Rest vom Sonntag.
      Liebe Grüße zu dir, Iris

      Antwort
    1. schreibtischgedanken Autor

      Ja, lieber Klaus, ärgern und doch hinnehmen müssen. Sonst gibt’s keine Rente. Aber manchmal rufe ich dort an und meckere los. Wenn viel mehr Betroffene sich beschweren würden, vielleicht würden die Ämter einmal ihre Vorgehensweise überdenken … Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Kann sein, dass ich auch zu blauäugig bin.
      Ich wünsche dir noch einen schönen Rest-Sonntag, Iris

      Antwort
  3. dorosgedankenduene

    Traurig aber wahr. Ich glaube wir weeden das nie verstehen, wieso es so ist wie es ist. Wie heißt es so schön? Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare. Ich verstehe diese Bürokratie absolut nicht obwohl ich selber bei der Verwaltung arbeite. Wenn es doch erwiesen ist daß sich nichts mehr ändern kann, warum machen sie es dann den Menschen so schwer? Ist doch sowieso meistens so daß der eine Sachbearbeiter nicht weiß was der andere macht. Unsere Schwerbehindertenausweise sind vor ein paar Jahren auch auf unbegrenzt gültig gesetzt worden. Ich wußte nicht das das von Wohnort zu Wohnort verschieden ist. Es ist einfach nur traurig traurig traurig. Und es wird sich vermutlich nichts ändern, leider.
    Du hast eine Geschichte geschrieben, eine Geschichte des Lebens, denn das Leben schreibt immer noch die wahrsten Geschichten.
    Ich drück dich.
    ♥liche Grüße Doro

    Antwort
    1. schreibtischgedanken Autor

      Als das Wörtchen „Verwaltungsmodernisierung“ immer mehr in aller Munde war, ging es förmlich bergab. Ich bin auch im öffentlichen Dienst beschäftigt, daher bin ich in dieses kleine Geheimnis eingeweiht 😉 Wir bürokratisieren uns noch ins Verderben und der Mensch bleibt auf der Strecke.
      Liebe Doro, ich danke dir für deine lieben Worte. Also schreibe ich weiter kleine Geschichten des Lebens.
      Ich drück‘ dich zurück und grüße dich herzlich, Iris

      Antwort
  4. gejuta

    Liebe Anna-Lena,

    es ist so wichtig, die kleinen Geschichten aufzuschreiben. Geschichten, die das Leben schreibt. Die Menschen rings um uns her, sind dankbar dafür. Das spüre ich immer wieder.

    Liebe Grüße Gerd

    Antwort
  5. schreibtischgedanken Autor

    Iris, lieber Gerd, Iris 😉
    Du hast vollkommen Recht. Geschichten die das Leben schreiben mitzuteilen, das berührt und gibt uns das Gefühl, nicht alleine zu sein. Und deshalb ist es so wichtig.
    Liebe Grüße zu dir, Iris

    Antwort
    1. gejuta

      Liebe Iris,
      ich schreibe demnächst an einer besonderen Lebensgeschichte, die sich hier im Taunus ereignet hat. Es geht um die Geschichte einer Familie, bei der die jüdische Ehefrau im KZ ermordet wurde. Ich habe den Auftrag bekommen, diese Geschichte aufzuarbeiten und aufzuschreiben. Das werden bewegende und spannende Momente. Auf WordPress werde ich darüber berichten.

      Liebe Grüße – Gerd

      Antwort
      1. schreibtischgedanken Autor

        Lieber Gerd,
        das klingt spannend. Du wirst vieles erfahren, das dich sehr beschäftigen wird. Eine Herausforderung wird es allemal sein. Auf deinen Bericht bin ich sehr gespannt.
        Liebe Grüße – Iris

        Antwort
        1. gejuta

          Hallo Iris, diese Lebensgeschichte habe ich heute in meinem literarischen Wochenendgruß heute angedeutet. Mehr folgt sicher in der nächsten Zeit.

          Liebe Grüße Gerd

  6. mirjam

    Liebe Iris,
    und du hast Geschichte geschrieben.
    Zeilen, die einem zum Nachdenken anregen, einem berühren.
    Und wie auch schon meine Vorredner geschrieben habe: das Leben selbst schreibt die unvergesslichsten Geschichten.
    Lass dir einen lieben Gruss da!
    mirjam

    Antwort
  7. minibares

    Die Regierung wollte doch die Bürokratie zurückbauen, aber das Gegenteil ist der Fall.
    Wie man auch Sorge hat, einen Buchstaben zu vergessen. Das ist erbärmlich.
    ich wünsche dir gutes Durchkommen durch den Dschungel der Anträge …
    Ganz liebe Grüße und alles Gute dir und deinem Mann ♥
    Bärbel

    Antwort

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