Sie ist da …

Ich erinnere mich an die Zeit, kurz nach der Diagnose. Eine Zeit voller Angst und Hilflosigkeit. Sie fuhr in Urlaub. Niemand wusste, wo sie war und für wie lange. Keine Erreichbarkeit.
Ich erinnere mich an die Zeit im Krankenhaus. Kurz vor seiner OP. Eine Zeit voller Anspannung und Ungewissheit. Sie war wiederum in Urlaub. Doch dieses Mal rief sie an. Muss ich kommen? war ihre Frage.
Ich erinnere mich an die Zeit auf der Intensivstation. Mein Vater begleitete mich, um seinem Schwiegersohn über die Wange zu streicheln.
Ich erinnere mich an die Zeit, als es ihm schlecht ging. „Bescherungen“ beseitigen – säubern. Nein, sie könne das nicht.
Ich erinnere mich an nicht eingehaltene Absprachen. Aber was galten Absprachen. Der Sohn verstand nichts (mehr) davon.
Ich erinnere mich an die Zeit der Strahlentherapie, in der sie einen Nachmittag die Fahrt zur Klinik übernehmen sollte. Sie nahm von ihrem Sohn Benzingeld für eine ganze Tankfüllung.
Ich erinnere mich an die Zeit, als sie endlich ihren Traum verwirklichte und auszog. 500 Kilometer weg von ihrem Sohn. Überschrieb ihm die Wohnung, ohne nichts unversucht zu lassen, ihn zu übervorteilen.
Ich erinnere mich an so viele Begebenheiten. Immer wenn sie hier ist und ihre Schwester besucht, werden sie lebendig.
Tja, und im Moment ist sie hier. Seit drei Tagen schon. Aber ihren Sohn hat sie noch nicht begrüßt.

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15 Gedanken zu „Sie ist da …

  1. dorosgedankenduene

    Schwiegermütter ja? Hör mir damit auf, ich nenne sie nicht umsonst Schwiegermonster.
    Und wenn sie jetzt gerade da ist, sei einfach froh und dankbar daß sie deinen Mann noch nicht besucht hat, vielleicht vergißt sie es ja. ODer vermißt dein Mann sie? Das wäre nicht gut. Wenn ich mir vorstelle, die Situation in der ihr damals gewesen seid, es ist einfach nur sehr traurig. Gerade dann fort zu fahren, allein die Frage: MUSS ich kommen? Jede Mutter wäre mit fliegenden Fahnen gekommen. Sei einfach froh, daß sie soweit weg ist.

    So viele Jahre habe ich meine ertragen, und nun endlich die ewige Ruhe davor. Und, ich glaube ich erwähnte es schon einmal, vorher 5 Jahre Schweigen, Gott sei Dank, aber das machte die 25 Jahre vorher auch nicht mehr wett. SIe hat meinen Mann psychisch so absolut fertig gemacht, er ist heute noch geschädigt dadurch. Und als Jürgen den Unfall hatte und die drei Op’s, es hat mir verboten, sie zu benachrichtigen, sogar wenn der schlimmste aller Fälle eingetreten wäre.

    Liebe Iris, manche Menschen haben es einfach nicht verdient Mutter genannt zu werden und es hört sich ganz so an, als ob deine Schwiegermutter eine solche Frau wäre. Traurig aber wahr, und ich hoffe inständig, daß auch dein Mann darüber steht und es ihm nichts mehr ausmacht.
    Liebe Grüße von jemandem, der nachfühlen kann wie es dir ( euch) geht.
    Doro

    Antwort
    1. schreibtischgedanken Autor

      Ja, ja, liebe Doro, sie ist schon ein besonderes Exemplar. Wir reden ja auch bereits seit zwei Jahren nicht mehr miteinander. Ihren Sohn ruft sie sporadisch an, wenn sie sicher sein kann, dass ich nicht zu Hause bin.
      Ihre Schwester wohnt bei uns im Haus. D.h. wenn Schwiegermutter da ist, ist irgendwie eine angespannte Stimmung. (Übrigens hat sie meinem Mann eben im Treppenhaus kurz Hallo gesagt.) Mittlerweile kann mein Mann aber ganz gut damit umgehen. Und doch könnten wir auf ihre Anwesenheit hier gut verzichten.
      Liebe Grüße zu dir, Iris

      Antwort
  2. Follygirl

    Oh… das ist echt traurig..
    (Ich hatte aber auch kein Glück mit meiner… aber nun liegt sie schon lange eine Etage tiefer…)
    Aber traurig macht so ein Verhalten dann doch!
    LG, Petra

    Antwort
  3. mauerdurchbruch

    Oh mein Gott, welch widerliches Verhalten. Pass nur auf, dass du deinen Mann nicht gegen dich aufbringst, wenn du sich an seine Seite gegen „Sie“ stellst. Sowas ist mir neulich erst passiert.

    Antwort
  4. Anna-Lena

    Ein typisches Schwiegermonsterverhalten, das ich auch nur zu gut kenne.
    Keep cool und lass dir nicht auf der Nase herumtanzen.
    Meine Freundin Ulrike würde sagen: Es gibt Menschen, die kennen mich und solche, die können mich mal…

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    Antwort
  5. Pauline

    Könnte ich jetzt auch mitreden und zwar ungefähr 978 Seiten lang (ich hatte zwei solche Ekelpakete!), keine Angst mache ich nicht, liebe Iris *ggg*
    Bei solch einem „Menschen“ fallen einem wirklich alle Todsünden ein, die man gerne begehen würde und es dann doch „in echt“ lässt, aber man kann ja mal drüber schreiben 😆
    Sei von Herzen gegrüßt von der ♥ Pauline ❤

    Antwort

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