Rezidiv

Sie starrte auf das Blatt Papier in ihren Händen, das man ihr an der Anmeldung der radiologischen Praxis wortlos überreicht hatte. Rezidiv. Dieses kleine Wort stach hervor, schien einen größeren Schrifttyp zu haben, fettgedruckt, Großbuchstaben, rot. Und doch wusste sie, dass es nicht so war.
Nur 18 Monate nach der schweren OP, die aus ihrem Mann eine pflegebedürftige Person gemacht hatte, nun das. Wie sollte sie ihm diese Nachricht schonend beibringen?
Leise begann der Himmel zu weinen. Sie spürte es nicht. Regungslos stand sie vor der Praxis, starrte auf das Blatt Papier in ihren Händen, auf dieses kleine, große Wort, und ihre Tränen vermischten sich mit dem zarten Nieselregen.
Noch nie zuvor in ihrem Leben hatte sie sich so einsam, so verlassen, so verraten gefühlt.

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17 Gedanken zu „Rezidiv

  1. Follygirl

    Oh… ich weiß gar nicht was ich schreiben könnte.. unfaßbar schwer muß das gewesen sein und ist es sicher heute auch noch. So niederschmetternd kann ein Wort sein…
    Viel Kraft und Mut und auch Lebensfreude möchte ich Dir schicken! Liebe Grüße, Petra

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  2. Andrea Kording

    Liebe Iris, mir geht es wie Follygirl. Ich weiss gar nicht, was ich darauf schreiben könnte. Ich möchte aber auch nicht *gefällt mir* anklicken und einfach drüber weggehen ist auch keine Option. Du scheinst Deine schlimmen Erlebnisse hier durch Schreiben zu verarbeiten, oder? Ich wünsche Euch weiterhin viele tanzende Stan’s und Ollie’s! Herzilche Grüsse Andrea

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  3. dorosgedankenduene

    Ich merke schon, ich bin nicht die einzige, die nicht weiß was sie schreiben soll. GErade solche extremsten Rückschläge müssen einfach grausam sein, beosnder wenn man gerade anfing Hoffnung zu schöpfen. Und deshalb hoffen wir und freuen wir uns immer wieder aufs neue auf Stan und Olli.
    ♥♥♥Lieben Gruß♥♥♥
    Doro

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  4. Anna-Lena

    Es ist gut, dass du dir deine Sorgen und Ängste von der Seele schreiben kannst, das hilft dir vielleicht bei der Verarbeitung.
    Euch beiden weiterhin alles Liebe ♥ .

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  5. skriptum/skryptoria

    Diese Überschrift, dieses Wort hat mich gerade bis ins Mark getroffen. Den verlinkten Artikel habe ich gelesen. Wenn es nicht so elendig bitter wäre, hätte ich „Like“ angetickert. Denn Du hast es so nachvollziehbar, so „mitnehmend“ beschrieben, dass es mir eiskalte Schauer über den Rücken schickte.

    Und nun, hier dieses Wort. Dieses verdammt-verfluchte Wort. Ich kann mangels genauerer Kenntnisse nichts weiter dazu schreiben, als dass ich Dir/Euch die Daumen drücke und hoffe, dass sich alles, was Ihr Euch wünscht, erfüllen möge!

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    1. schreibtischgedanken Autor

      Ich weiß nicht, ob du von dem verlinkten Artikel „OP“ auch zum Artikel „Raumforderung“ gelangt bist … Diese Erlebnisse liegen schon eine Weile zurück. Diagnose 2006, Rezidiv 2008. Und doch sind sie so präsent, als ob es gestern gewesen wäre. Nur, dass ich es heute schreibend verarbeite.
      Mitte September sind wieder Nachuntersuchung und das beschäftigt mich natürlich immer sehr. Wenn alles gut geht, tanzen hier Stan Laurel und Oliver Hardy.

      Für deine Worte danke ich dir sehr. So seltsam es klingen mag: Wir haben momentan eine wirklich wunderbare Zeit. Und eines habe ich gelernt. Ein einzige, was wirklich zählt, ist das hier und jetzt.
      Ganz liebe Grüße zu dir, Iris

      Antwort
      1. skriptum/skryptoria

        Ja, jetzt. Bei dem Begriff „Raumforderung“ war die Körperregion schon klar. Deshalb hatte ich es gar nicht mehr angeklickt. Auch das hast Du sehr „mitnehmend“ geschrieben. Genauso fühlt es sich an, wenn es passiert, ja!

        Antwort

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