Kurz vorm Schuss

Bedächtig schraubte er den Schalldämpfer auf seine Baretta 92. Heute würde er ihn erwischen und sein Auftrag wäre damit erledigt. Sein 64. Auftrag. Die Geschäfte liefen gut in den letzten Jahren und er hatte sich einen Namen gemacht. Schnell, diskret, sauber. Das war sein Motto. Sein Bankkonto in der Schweiz und das in Luxemburg waren wohl Beweis genug dafür, dass er gut war. Richtig gut! Mit seinen 32 Jahren würde er sich bald zur Ruhe setzen können. Das Strandhaus auf Barbados war bereits eingerichtet und wartete nur darauf, dass er sich dort niederließ.

Leon atmete tief durch. Wenn er nur ein deutlicheres, schärferes Foto von seinem Auftraggeber bekommen hätte. Nun, trotzdem hatte er es geschafft. Einige Tage zuvor hatte er seinen Klienten – so nannte er für gewöhnlich seine Opfer – ausfindig gemacht. Und mittlerweile konnte er sicher sein, seine tägliche Routine zu kennen.

Ein leichtes Kribbeln durchströmte seinen Körper. Wie immer, wenn der Abschluss eines Geschäfts bevorstand. Diese Mischung aus Furch und Erregung … ob er dieses Gefühl jemals vermissen und ob ihm das Inselleben irgendwann überdrüssig würde?

Ungeduldig wischte er diesen Gedanken beiseite. Er hatte sich schließlich auf seine Auftrag zu konzentrieren.

Er schlenderte die Straße entlang, verlangsamte seinen Schritt, als er merkte, dass er zu früh vor dem Hauptportal des Technologiekonzerns erscheinen würde. Denn er würde erst gegen 17.00 Uhr das Gebäude verlassen und um 17.06 Uhr die Loge mit den Wachhabenden passieren. Nur ruhig. Langsam.

Leon hatte Übung. Die Baretta unter seinem Jackett verlieh ihm ein Gefühl von Größe und Macht. Langsam schritt er auf sein Ziel zu. Noch hundert Meter. 17.05 Uhr. Er war exakt in der Zeit. Achtzig Meter. Da erspähte er seinen Klienten, auf dem Weg zur Straße.

Leon lächelte. Alles lief perfekt. Sie würden genau aufeinander treffen. Ein Skater kam ihm entgegen. Fixierte ihn. Leon wunderte sich. Der Skater kam ihm bekannt vor. Und dann spürte er einen brennenden Schmerz in der Brust. Eine Falle, dachte er noch während seine Beine versagten. Und dann wurde es dunkel.

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2 Gedanken zu „Kurz vorm Schuss

  1. Babbeldieübermama

    Was für ein dummer Mörder. 😉 Selbst ich als Laie weiß, ein aussteigen gibt es in der Branche nicht. 🙂
    Wünsche dir ein schönes Wochenende in einem kühlen Eckchen.
    Liebe Grüße
    Bärbel

    Antwort

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