Guido Rohm: Untat

Heute will ich – außerhalb meiner monatlichen Vorstellungen – über ein Buch schreiben, welches ich gelesen habe. Warum? Weil ich seit einiger Zeit zu den regelmäßigen Blog-Leserinnen des Autors Guido Rohm gehöre.

UNTAT ist ein Krimi der besonderen Art. Zwei Journalisten begleiten den Verbrecher Oscar, um hautnah als Beobachter bei einer Kindesentführung dabei sein zu können. (Das schon alleine für sich, ließ ein unangenehmes Gefühl in mir aufkeimen, wurden doch sofort Erinnerungen an das Geiseldrama von Gladbeck vor vielen Jahren hervorgerufen. Das für mich damals unfassbare Verhalten der Journalisten …)

Nun, aus dem Wunsch der Journalisten, eine packende Reportage schreiben zu können wird eine Reise in eine beängstigende und brutale Welt. Manchmal verschwimmt die Realität mit schöngeredeten Vorstellungen, sicherlich auch ausgelöst durch einen übermäßigen und nicht gewohnten Bierkonsum der beiden. Immer wieder stellen sie sich die Frage, ob Oscar wirklich ein brutaler Psychopath oder nur ein Angeber ist. Und es ist so viel einfacher an den Aufschneider zu glauben …

UNTAT ist nicht nur ein Krimi. UNTAT ist auch eine Geschichte über die Faszination und Akzeptanz von Gewalt, dem typischen Wegsehen und der oft mangelnden Zivilcourage unserer Gesellschaft.
Zwar hat dieses Buch lediglich 136 Seiten, die mich jedoch schaudern ließen, mich aufwühlten und fast schmerzhaft berührten. Mit einer ungeheuren Wucht brachten diese Seiten mich bis an die Grenze des Aushaltbaren.

Die außergewöhnliche Wir-Perspektive und die kurzen und knappen Sätze, die wie Geschosse auf den Leser treffen, treiben die Spannung voran, so dass ich das Buch an einem Nachmittag bis zu dem nicht vorhersehbaren Ende gelesen habe.

Für Freunde von außergewöhnlichen Krimis, die gerne von der üblichen Machart abweichen und eine Prise tief-dunkel-pechschwarzen Humor enthalten dürfen, unbedingt lesenswert.

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6 Gedanken zu „Guido Rohm: Untat

  1. Pingback: Gelesenes: Bücher im Juli 2013 | schreibtischgedanken

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